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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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1994 Erschwerte Annäherung an Mozart

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Prag leuchtete. Die Zinnen der Altstadt glänzten im Licht der Nachmittagssonne; auf der Kleinseite funkelten die Dächer von St. Niklas und der umliegenden Barockpaläste im Wettstreit mit der alles überragenden Burg. Bei einem kleinen Liedernachmittag in der Jesuitenkirche wuchs die Vorfreude auf das abendliche Ereignis im Rudolfinum: Nelson Freire würde Mozart, Beethoven, Schumann und Chopin geben. Es sollte ein großer Abend werden.

Prag während der Frühlingszeit – das wird dem Besucher beim spätabendlichen Bier am Altstädter Ring deutlich – ist die Metropole der europäischen Musik und obendrein Schmelztiegel einer beeindruckenden Geschichte. Von der Kanzlei Karls IV. bis zur Prager Dichtertafel am Beginn des Jahrhunderts: eine einzigartige Mischung und Befruchtung slavischer und germanischer Sprachen und Kulturen über Jahrhunderte hinweg. Prag: Das war einstmals die Mitte des Kontinents und wird, hoffentlich, bald wieder Teil eines Europas des Geistes sein. Ohne Prags Beitrag zur europäischen Kultur wäre diese unendlich ärmer. Aber wer weiß das heute noch im Abendland?

Die Mozart-Klänge der Orgel von St. Niklas im Ohr, wird die Lektüre der Nacht des Don Juan von Hanns-Josef Ortheil zum größeren Gewinn: Mozart weilt im Herbst 1787 erneut unter seinen geliebten Pragern, die dem Figaro einen so überwältigenden Erfolg bereitet haben. Diesmal aber geht es um die Hauptsache, die Oper aller Opern: Don Giovanni. Die Proben im Theater haben bereits begonnen, doch Mozart hat die Komposition keineswegs abgeschlossen. Der Tod des Vaters, Constanzes Schwangerschaft, Intrigen im...

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