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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2004 Die Malediven: ein artifizielles Paradies?

← 176 | 177 → 2004

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Der Paradiese sind viele. Charles Baudelaire hat sie besungen. Eines davon liegt im Indischen Ozean, eine Flugstunde vor der ceylonesischen Küste. Beim Anflug auf Male, die Hauptstadt des Archipels, tauchen zahlreiche Atolle auf: Hunderte großer und kleiner Inseln, von weißen Stränden umrandet in tiefblauer See. Die Postkarten haben nicht gelogen.

Doch Paradiese wollen erobert werden. Der Flug endete zunächst nach sechs Stunden, kurz vor Mitternacht, in Dubai am Arabischen Golf. Der Flughafen, neu errichtet und weit größer als der von früheren Reisen vertraute, ist eine Einkaufsmeile mit Billigangeboten neben Markenprodukten – wie überall auf der Welt. Eine nahezu unauffindbare Moschee versucht, eher verzweifelt, einige der „Schnäppchenjäger“ von der Einkaufsschlacht zu Ruhe und Gebet wegzulocken, doch der Erfolg ist gering. Auf diesem Flughafen ist nicht erkennbar, dass wir uns in Arabien befinden, alles ist austauschbar, die Globalisierung hat triumphiert. Ich shoppe, also bin ich: Descartes‘ Gedanke ist in Dubai mutiert und zur Perversion verkommen. Als Glanzlicht dieses absurden Panoptikums öffnet sich zur Rechten ein Irish Pub, in den Touristen grölend einfallen und, nach entsprechendem Bierkonsum, lallend wieder herauskommen und zu ihren Flugzeugen wanken. Das landesweite Alkoholverbot ist am Flughafen außer Kraft gesetzt: Gott oder besser: Titan Mammon hat die Büchse der Pandora geöffnet.

Der Weiterflug verzögert sich um mehr als eine Stunde; wegen Nebels – so die offizielle Verlautbarung – können wir nicht starten und dösen in den Morgen hinein. Endlich geht es doch...

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