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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2005 Al Sur

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Mittwoch, 23. Februar 2005

Der Marktplatz, obwohl wochentags und also ohne die üblichen Auslagen, strahlt seinen ganzen Charme aus und fasziniert den Besucher. Leise klingen Tango und Milonga-Rhythmen an das Ohr und versichern dir, dass du am rechten Ort bist. Selbst der Tango-Tänzer von früher ist wieder da, im schwarzen Sakko eine Rose, die Schuhe speckglänzend, das Gesicht arrogant und dennoch gewinnend. Der Zauber von Buenos Aires, der großen Stadt am Rio de la Plata, ist unverändert – trotz ökonomischer Krise und abbröckelnder Fassaden. Die Menschen lächeln selten, schauen eher düster und hoffen auf ein besseres Morgen. Der neue Präsident Kirchner hat manche Hoffnungen geweckt und bislang eher enttäuscht, doch er ist guten Willens und voller Kraft. Freilich sind die Mächte der Finsternis stark: Putschistengeneräle, korrupte Geschäftemacher, bigotte Kleriker und manches mehr.

Beinahe unmoralisch der Gedanke: Ich sitze hier in der Wärme des argentinischen Sommers, genieße die Freundlichkeit der Menschen dieser Stadt, der ich mehr verfallen bin als allen anderen Städten des Subkontinents – und in zwei Tagen soll es in das Eismeer gehen, über Ushuaia mit dem Schiff gen terra australis incognita. Freude, dass sich der Wunsch nun endlich erfüllt, mischt sich mit bangen Gefühlen: Schließlich wartet der stürmischste Ozean, den die Seefahrt kennt, auf mich.

Ein Rückblick: Gestern verspürte ich den Wunsch, auf dem Silberfluss hinüber nach Uruguay zu fahren. Gesagt,...

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