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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2009 Ökonomische Globalisierung – kulturelle Verwahrlosung

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Walter Benjamin schreibt in seinem Essay Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit:

„[…] Was im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerks verkümmert, das ist seine Aura. […] Die Reproduktionstechnik, so ließe sich allgemein formulieren, löst das Reproduzierte aus dem Bereich der Tradition ab. Indem sie die Reproduktion vervielfältigt, setzt sie an die Stelle seines einmaligen Vorkommens sein massenweises. Und indem sie der Reproduktion erlaubt, dem Aufnehmenden in seiner jeweiligen Form entgegenzutreten, aktualisiert sie das Reproduzierte. Diese beiden Prozesse führen zu einer gewaltigen Erschütterung des Tradierten – einer Erschütterung der Tradition, die die Kehrseite der gegenwärtigen Krise und Erneuerung der Menschheit ist. […] Die Entschälung des Gegenstandes aus seiner Hülle, die Zertrümmerung der Aura, ist die Signatur einer Wahrnehmung, deren ‚Sinn für das Gleichartige in der Welt’ so gewachsen ist, daß sie es mittels der Reproduktion auch dem Einmaligen abgewinnt.“

Benjamin analysiert einen Prozess im Bereich der Kultur, der über Marxens Analyse der kapitalistischen Produktionsweise hinausweist. Es geht ihm um Entwicklungen der Kunst unter den Produktionsbedingungen des zwanzigsten Jahrhunderts: Begriffe wie Schöpfertum und Genialität, Ewigkeitswert und Geheimnis scheinen ihm nicht mehr brauchbar zu sein. Die neuen technischen Möglichkeiten – zumal die beweglichen Bilder des Films – hätten die Aura der Einmaligkeit und Einzigartigkeit des Kunstwerks zerstört und an ihre Stelle die Wiederholbarkeit und Massenhaftigkeit gerückt:

„In der Photographie beginnt der Ausstellungswert den Kulturwert auf der ganzen Linie zurückzudrängen. Er bezieht...

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