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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2010 Erkenntnisstreben und Kulturen - Japans Krise

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Die große Rückrufaktion des Toyotakonzerns im Frühjahr 2010 wegen schadhafter Bremsen und Gaspedale hat ein grundsätzliches Problem offenbart: Wie können gesellschaftliche Normen im Zeitalter der Globalisierung bewahrt werden, ohne dass schwer wiegende finanzielle Nachteile oder gar eine Identitätskrise einer ganzen Gesellschaft drohen? Denn Toyota ist Japan: Der Konzern verkörpert nicht nur wegen seiner immensen Dimension als weltgrößter Autohersteller den Inselstaat Nippon schlechthin. Wenn Toyota in die Krise gerät, wird Japan in seinem Selbstwertgefühl empfindlich gestört; der weltweite Ansehensverlust der Automarke stürzte Japan in schwere Zweifel an seiner Überlegenheit nicht nur im pazifisch-asiatischen Raum. Der Enkel des Firmengründers ließ sich vor einen Ausschuss des amerikanischen Kongresses zitieren und gelobte Besserung. Angehörige von Opfern der Unfälle mit Toyota-Fahrzeugen in den USA sparten vor der Kamera nicht mit Tränen. Freilich hatte diese Szene etwas zutiefst Heuchlerisches: Über die Zivilopfer amerikanischer Verbrechen im Irak und in Afghanistan werden in Washington keine Tränen vergossen!

Westliche so genannte Wirtschaftsexperten werden nicht müde zu behaupten, die Wurzel des Toyota-Problems liege in der verkrusteten und bürokratischen Struktur der japanischen Produktion und Verwaltung: Das Bemühen um Zustimmung aller am Prozess Beteiligten, als Ergebnis der konfuzianischen Grundregel vom Vermeiden jeglichen Gesichtsverlustes, sei nicht nur zeitaufwändig, sondern vor allem produktionsschädigend. Wer so produziere – dies die nahezu einhellige Meinung aller in Asien zu vernehmenden Stimmen –, müsse notwendigerweise verlieren: Toyota sei ein schlagender Beweis!

Doch k...

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