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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2012 Eine Idee von Europa

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Griechenland bietet in diesen Wochen ein Bild der Tristesse. Wohl hat der Frühling den langen und außergewöhnlich kalten Winter vertrieben, prangen Apfelbäume und Ginster in voller Blüte, strahlt die Sonne vom azurenen Himmel: Doch die Gesichter der Menschen sprechen eine andere Sprache. Die Sparauflagen der Regierung, unter dem Druck der ›Troika‹ handelnd, haben die große Masse der Hellenen in bittere Armut gestürzt. Jene unter ihnen, die nach den Massenentlassungen im Öffentlichen Dienst noch über einen Arbeitsplatz verfügen, können – falls die Gehaltszahlungen überhaupt erfolgen – ihren Lebensunterhalt davon nicht bestreiten, geschweige denn an Urlaub oder größere Anschaffungen denken.

Weit schlimmer aber sind die Arbeitslosen betroffen: Staatliche Unterstützung, die den Namen verdiente, gibt es für sie nicht. Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen ist dramatisch gestiegen; sie hängen schon am Morgen in Cafés herum, klammern sich stundenlang an einen Frappé – ein aufgeschäumter kalter Nescafé –, dröhnen sich die Ohren mit Heavy Metal-Musik zu und debattieren über eine Zukunft, an die sie nicht glauben. Die es in Wahrheit freilich auch kaum gibt!

Ihre Wut entlädt sich immer häufiger in Aufmärschen und spontanen Gewaltausbrüchen. Selbst am 25. März, an dem landesweit die Befreiung vom Osmanenjoch gefeiert wird, ziehen Jugendliche durch die Städte und verbreiten Chaos. Dahinter freilich steht pure Hoffnungslosigkeit. Bürger ziehen sich schockiert zurück, trauernd um ein Fest der nationalen Besinnung, das ihnen und ihren Kindern verwehrt wurde....

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