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Globalisierung in Zeiten der Aufklärung

Texte und Kontexte zur «Berliner Debatte» um die Neue Welt (17./18. Jh.) – Teil 1 und Teil 2

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Edited By Vicente Bernaschina, Tobias Kraft and Anne Kraume

Mit der Erkundung und Eroberung der Neuen Welt beginnt die Geschichte eines europäischen Bewusstseins von Globalisierung. Das Schlüsselthema unserer Zeit hat besonders in der Aufklärung Konjunktur. Die hierfür zentrale «Berliner Debatte» legt die entscheidenden Fragen zu den konkurrierenden Weltbildern zwischen Alter und Neuer Welt offen. Die beiden Bände bieten Forschungsgrundlage und Forschungsergebnisse zugleich: Band 1 analysiert in zahlreichen Fachbeiträgen die kultur- und wissenschaftshistorischen Perspektiven der «Berliner Debatte». Band 2 bietet erstmals einen repräsentativen Querschnitt ihrer Texte und Kontexte: Acosta, Garcilaso de la Vega, Fontenelle, Voltaire, La Condamine, Friedrich II., Alfieri, Raynal, Clavijero, León y Gama, die Enzyklopädisten, Georg Forster, Teresa de Mier, Alexander von Humboldt und Victor Séjour.
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Wer sagt Zentrum, wer Peripherie?: Die Debatte um die Neue Welt in atlantischer Perspektive

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Jorge Cañizares-Esguerra

Wer sagt Zentrum, wer Peripherie?

Die Debatte um die Neue Welt in atlantischer Perspektive

Als sich der spanische Dominikanermönch Diego Durán um das Jahr 1580 mit der Geschichte der Azteken beschäftigte (vgl. Durán 1967), stieß er auf zwei widersprüchliche Erzählungen zu den Ursachen für Montezumas Tod. Die klassische Version der spanischen Quellen behauptete, die Azteken selbst hätten Montezuma zu Tode gesteinigt. Indigene Quellen wussten hingegen eine ganz andere Geschichte zu erzählen: Hier waren es die spanischen Conquistadores hatten, die die Herrscher und Vertreter des aztekischen Adels niedergestochen und ermordet hatten. Auch wenn diese Fassung offensichtlich die spanische Geschichtsschreibung infrage stellte, sah Durán sich gezwungen, sie für plausibel zu halten, nachdem er Nacherzählungen dieser Geschichte in weiteren indigenen Manuskripten und Texten gefunden hatte (Abb. 1). Denn trotz der allgemeinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit amerindischer Informanten glaubte Durán wie die meisten Spanier, dass indigene Dokumente in nicht-alphabetischer Schrift als vertrauenswürdige historische Quellen anzusehen seien (vgl. Durán 1967: 2, 556).

Europäische Gelehrte des 18. Jahrhunderts vertraten in dieser Frage zumeist eine ganz andere Auffassung. So verkündete 1787 ein anonymer britischer Rezensent, dass eine Geschichte der Azteken, wie sie kürzlich in Italien von dem mexikanischen Jesuiten Francisco Clavijero (1731–1787) veröffentlicht worden war, überhaupt keinen Sinn ergebe; es handele sich um ein Buch „voll unmöglicher Begebenheiten [und] absurder Übertreibungen“. Der Rezensent verspottete...

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