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Kulturmanöver

Das k.u.k. Kriegspressequartier und die Mobilisierung von Wort und Bild

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Edited By Sema Colpan, Amália Kerekes, Siegfried Mattl and Magdolna Orosz

Der Band befasst sich mit dem k. u. k. Kriegspressequartier (KPQ), das von seiner Entstehung und Komplexität her unter den kriegsführenden Ländern des Ersten Weltkriegs einzigartig war. Die Aufsätze widmen sich zum einen jenen Maßnahmen, die das KPQ anordnete, leitete und kontrollierte. Dazu gehörten die Kriegsberichterstattung in journalistischen Frontberichten und fotografischen Dokumentationen, die Verarbeitung des Krieges mittels Malerei oder das Festhalten des Kriegsgeschehens mit der Filmkamera. Zum anderen bewerten die Autoren die Propagandamaßnahmen innerhalb eines breiteren Bezugsrahmens, und zwar mit Blick auf die alternativen Spielräume, die die zentralisierte Verwaltung gestattete. Als Vergleichsebenen werden außerhalb des Wirkungsbereichs des KPQ liegende Tendenzen des Kulturbetriebs herangezogen.
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Für das Vaterland sterben. Die Antike und die Kriegspropaganda

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Attila Ferenczi

Für das Vaterland sterbenDie Antike und die Kriegspropaganda

Wer den Campus der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest betritt, erblickt als erstes ein Denkmal, das an die Opfer im Lehrkörper der ELTE während des Ersten Weltkrieges erinnert. Auf der einen Seite des Denkmals stehen die Namen der gefallenen Lehrer und Professoren der Universität und ihrer Ausbildungsstätte, auf der anderen sieht man ein antikisierendes Relief mit nackten männlichen Figuren. Zwar weist die Formensprache der Figuren klar die Bildsprache der 1930er Jahre auf, die Komposition erinnert jedoch an eine Metope-Struktur und verwendet wohlbekannte Darstellungselemente der antiken Kunst: Alle Figuren sind jung, der Altersunterschied, den es zwischen ihnen zu beobachten gibt, wird durch das Maß der Figuren zum Ausdruck gebracht. Die drei Figuren, die auf der einen Seite in einer Gruppe angeordnet stehen, sind etwas jünger, als wären sie Knaben in den Flegeljahren, im Gegensatz zur Soldatenfigur, die einen völlig erwachsenen männlichen Körper hat. Die nachdrücklich dargestellten Locken ← 327 | 328 → der Knaben als physiognomisches Zeichen der Jugend verweisen auch auf die Formensprache der römisch-hellenistischen Kunst. Das wichtigste antikisierende Merkmal ist allerdings die Nacktheit der Figuren selbst: Nur Götter und Heroen sind in der antiken Kunst nackt dargestellt. Die Nacktheit hebt die Figuren aus der Welt der sterblichen, alltäglichen Menschen hinaus, Personen, die auf diese Weise dargestellten werden, sind mehr als menschlich: zwar weniger als Götter, aber mehr...

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