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Danton’s Tod von Georg Büchner

Revolutionsdrama als Tragödie

Riitta Pohjola-Skarp

War Shakespeare das Genie des letzten Jahrtausends, so war Georg Büchner (1813–1837) das Jahrtausendtalent. In diesem Buch begegnen sie sich. Als Büchner mit 21 Jahren sein erstes Drama Danton’s Tod schrieb, drohte ihm wegen seiner politischen Tätigkeit die Gefangennahme. Die Autorin untersucht Büchners Drama aus mehreren Perspektiven, wobei sie den historischen und politischen Aspekt mit einem von Slavoj Žižek inspirierten psychoanalytischen Blickwinkel sowie mit einer feministischen Lesart und mit Shakespeares Dramaturgie verbindet. Die weiblichen Gestalten des Dramas treten in den Fokus. Danton’s Tod dekonstruiert den Helden der Tragödie, baut aber Heldinnen auf, indem die Frauen am Ende des Stückes aus der marginalen Stellung in den Mittelpunkt rücken. Aus dem Revolutionsdrama wird eine moderne Tragödie als Alternative zur Ibsen-Tradition.
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11. Die Frauengestalten und die Tragödie

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11.1 Shakespeares Tragödie und die Frauengestalten

In Shakespeares Tragödien begegnet die Hauptfigur in der Regel einer Frauengestalt, in der die höchsten geistigen Bestrebungen des Protagonisten verkörpert sind – einer Gestalt, die das Streben nach bedingungsloser Liebe erfüllt.1 Diese Auffassung vertritt Robert Lanier Reid.

Das Bild verändert sich, wenn man die Auffassungen feministischer Wissenschaftlerinnen betrachtet. Im Vorwort zu dem Sammelband Shakespearean Tragedy and Gender stellt Madelon Sprengnether fest, dass bei Shakespeare „gender“2 und „genre“ (beide abgeleitet von dem lateinischen Wort genus) in der Interpretation der Tragödie ebenso miteinander verflochten sind wie von ihrem linguistischen Ursprung her. In Shakespeares Tragödien wird die gefährliche weibliche Energie aus dem Zentrum der Handlung an die Seite geschoben, während die Schilderung des tragischen (männlichen) Helden bereichert wird, da sie mehr Raum erhält. In dieser gefährlichen Geschlechterdynamik schrumpfen die Frauengestalten, und gleichzeitig werden die Männergestalten detailliert behandelt. Die Widerspenstige, die Hexe, die Verrückte werden zum Schweigen gebracht und gezähmt; ebenso ergeht es auch den gebildeten, aristokratischen Frauengestalten.3

In ihrem Beitrag im selben Band schreibt Phyllis Rack, beim Übergang von den frühesten historischen Stücken (Henry VI, 1–3, King John) zu Richard III sei Shakespeares Publikum Zeuge einer bedeutenden Veränderung der Frauengestalten geworden. Im letztgenannten Stück werden die Frauen einerseits weitaus sympathischer dargestellt. Sie nehmen ihre tragische Rolle als leidende Opfer auf sich und machen sich ihren tragischen Status als...

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