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Tendenzen der zeitgenössischen Dramatik

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Edited By Paul Martin Langner and Agata Mirecka

Der Band vereint elf Beiträge zu Werken von jüngeren und «klassischen» Theaterautoren wie Lukas Bärfuss, Bertolt Brecht,Martin Crimp, Ödön von Horváth, Janosch, Dea Loher, Christoph Marthaler, Heiner Müller, Hermann Nitsch, Roland Schimmelpfennig und Lothar Trolle. Die Abhandlungen der WissenschaftlerInnen, die an verschiedenen Universitäten in Europa tätig sind, erarbeiten zum Teil neue methodische Zugänge, die die Werke in umfassende Prozesse der Gegenwart einbetten. Ein weiterer Schwerpunkt in den hier versammelten Artikeln sind die Bedingungen und Aspekte der Rezeption von deutschsprachigen Autoren im In- und Ausland. Das Buch eröffnet Einblicke in aktuelle Bühnenprojekte und Inszenierungen.
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Murx den Europäer! Triumph der Langsamkeit – das Theater des Christoph Marthaler

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Frank Starke (Potsdam)

Murx den Europäer!Triumph der Langsamkeit – das Theater des Christoph Marthaler

Das Theater an der Wende von den 1980er zu den 90er Jahren ist geprägt von den Textgebirgen eines Heiner Müller, aber auch von den Regieprovokationen eines Frank Castorf, die bei aller Lust am Szenischen letztlich doch auch von der Vergötterung des Wortes leben.

Und mitten in dieser Hochzeit des Gesprochenen tritt Christoph Marthaler auf. Bei ihm gibt es keine durchgehende Handlung, kein Textgerüst. Dabei sind seine Aufführungen weder Tanzstück noch Performance. Marthaler kreiert eine neue Art von Musik-Theater, die man bislang so nicht kannte. Das gemeinsame Singen, das Schweigen, die Langsamkeit, die Wiederholung sind Markenzeichen seiner Arbeit. Es ist der Gegenentwurf zu einer Welt, die immer kurzatmiger und geschwätziger wird.

Am Anfang seiner „Murx“-Inszenierung an der Berliner Volksbühne hört man nur einzelne Liedfetzen, die Zeile „Glühend empor“ ist allenfalls zu erahnen, dann immer wieder ein Klopfen, ein Rütteln: Ein Heizer macht sich an den uralten Riesenöfen an der Bühnenseite zu schaffen. An der Stirnwand des Raumes die Losung „Damit die Zeit nicht stehenbleibt“, von der nach und nach einzelne Buchstaben laut scheppernd abfallen. Die Uhr daneben verharrt in einer imaginären Zeitangabe.

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