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Einführung in die Ästhetik

Eine philosophische Collage

Evelin Klein

Die Autorin bietet in ihren einführenden philosophischen Reflexionen eine Auswahl an klassischen und modernen Themen der Ästhetik: Dialektik der Aufklärung, Kunst nahe am Verstummen, Begriffsgeschichte des Schönen und andere. In zehn Kapiteln werden Zitate durch kommentierende Abschnitte verbunden. Dabei geht das Buch nicht fortlaufend argumentierend vor, sondern präsentiert sich vielmehr als Collage. Jedem Kapitel ist ein literarisches Motto vorangestellt. Es soll den Gefühlsraum zeigen, in dem sich Ästhetik dann bewegt. Gegenwärtige Kunst als kritische Instanz verweist auf die Autonomie der Ästhetik, die stets Tendenzen abwehren muss, welche sie einzuschränken oder gar zu vernichten drohen: dies waren und sind hauptsächlich autoritär-politische Vereinnahmungen.
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IX. Sprache in Kunst

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IX.  Sprache in Kunst

Geliebter Papa, offenbar bin ich unter dem Zeichen eines bösen Geschicks geboren: Ich schreibe unendlich lange Episteln an alle Menschen, die ich liebe, und bekomme nur kurze Antworten. So ist es mit Dir, auch mit Mama, wenn sie sich mal von uns entfernt, und mit anderen. Dann bin ich nicht weit davon entfernt zu glauben, daß die Erwachsenen immer beschäftigt sind, ich fange an (denn ich bin schon bald erwachsen), es euch gleichtun zu wollen, und ich finde nur noch sehr wenig Zeit zum Schreiben

Anaï’s Nin, Das Kindertagebuch 1919

Wenn wir von „Sprache“ der Kunst reden, dürfen wir nicht übersehen, daß sie einerseits gerade in ihrer Sprachlosigkeit, in ihrer stummen Geste, die stets gegen die Gesellschaft gerichtet ist, besteht, andererseits aber doch etwas sagen möchte. Diese Problematik besteht nicht nur in bildender Kunst und Musik, sondern auch in Literatur und Dichtung, die sich scheinbar der allgemein verständlichen Sprache bedienen, oft aber über dieses Medium hinaus anderes meinen. Moderne Kunst fordert so eine Flut von Kommentarliteratur heraus. Gehlen geht so weit zu sagen, daß für die Beurteilung z. B. der abstrakten Malerei drei Schichten der Interpretation zu berücksichtigen seien: Form in engerem Sinn, inhaltlicher Gegenstand und die Konnotation, d.i. der Sinn, der dazu gedacht werden müsse und deshalb der sprachlichen Erläuterung bedürfe. Bild und Kommentarliteratur in ihrer Doppeltheit seien notwendiges Erfordernis der modernen abstrakten Kunst, denn außerhalb des...

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