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Ortsumbenennungen im sowjetischen Russland

Mit einem Schwerpunkt auf dem Kaliningrader Gebiet

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Sven Freitag

Gegenstand der Arbeit ist die Untersuchung von Ortsumbenennungen auf dem Territorium der russischen Teilrepublik der Sowjetunion (RSFSR). Welche Entscheidungswege gab es? Nach welchen Kriterien wurden die Namen gewählt? Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Kaliningrader Gebiet, wo über die Siedlungsnamen hinaus auch fast alle Flur- und Gewässernamen ausgetauscht worden sind. Auch die Umbenennungen auf der Krim, auf Sachalin und in Karelien werden auf ihre Motivationen hin analysiert. Zugleich wird das Thema in den Kontext der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts eingebunden; Umbenennungen sind eines der Mittel zur Schaffung von Gedächtnisorten für neue politische und gesellschaftliche Verhältnisse.
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2. Massenhafte Ortsumbenennungen in Europa – Fallbeispiele

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Im folgenden Abschnitt wird auf Umbenennungen von Oikonymen und Anoikonymen in verschiedenen Regionen Europas eingegangen. Dergestalt werden verschiedene Intensitätsstufen von Ortsumbenennungen sowie die historischen Entwicklungen von Namenlandschaften in Russland und dem übrigen Europa vorgestellt. Konflikte um die Benennung von Siedlungsorten entstehen, da sie „[…] ein wesentlicher Bestandteil jeder Sprache und damit der […] gefühlsmäßigen Bindungen an eine geografische Region sind […], die in mehrsprachigen Kontaktgebieten immer wieder zu Konflikten führen.“ 23

Während bis zur Entstehung des Nationalismus Oikonymen eine vergleichsweise geringe Aufmerksamkeit gewidmet worden ist, trat ihre Bedeutung spätestens nach 1848 zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit.24 Oikonyme konnten in einem nationalistischen Kontext zur Untermauerung realer oder imaginierter Ansprüche auf bestimmte Gebiete dienen. Gleichzeitig konnten sie aber auch eine Gefahr für die Herrschenden darstellen. Dies war insbesondere dann der Fall, wenn die Oikonyme nicht zur vorherrschenden Nationalität eines Staates passten, womöglich gar einen Verweis darauf lieferten, dass in dem betreffenden Gebiet die Titularnationalität eine Minderheit in der Bevölkerung darstellte. In diesen Fällen konnten Oikonyme die Herrschaft eines Staates über ein Gebiet in Frage stellen und mussten daher geändert werden. Hierbei gab es zu verschiedenen Zeiten verschiedene Vorgehensweisen, die immer im jeweiligen historischen Kontext zu sehen sind. Hier ist vor allem darauf zu achten, mit welcher Intention die Namenlandschaft eines Gebietes geändert werden sollte: Ging es darum, die nicht der Nationalität der Titularnation angehörigen Bevölkerungsteile zu assimilieren, vielleicht zu vertreiben, oder ging es darum,...

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