Show Less
Restricted access

Ortsumbenennungen im sowjetischen Russland

Mit einem Schwerpunkt auf dem Kaliningrader Gebiet

Series:

Sven Freitag

Gegenstand der Arbeit ist die Untersuchung von Ortsumbenennungen auf dem Territorium der russischen Teilrepublik der Sowjetunion (RSFSR). Welche Entscheidungswege gab es? Nach welchen Kriterien wurden die Namen gewählt? Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Kaliningrader Gebiet, wo über die Siedlungsnamen hinaus auch fast alle Flur- und Gewässernamen ausgetauscht worden sind. Auch die Umbenennungen auf der Krim, auf Sachalin und in Karelien werden auf ihre Motivationen hin analysiert. Zugleich wird das Thema in den Kontext der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts eingebunden; Umbenennungen sind eines der Mittel zur Schaffung von Gedächtnisorten für neue politische und gesellschaftliche Verhältnisse.
Show Summary Details
Restricted access

4. Ortsumbenennungen in der Sowjetunion

Extract

Ähnlich wie sich die Geschichte der Sowjetunion in verschiedene Phasen gliedern lässt, ist dies auch mit der Entwicklung der Toponymie möglich. Während einige Autoren die Entwicklung der Toponyme in der UdSSR beziehungsweise im russischen Sprachraum mit Blick auf die vornehmlich betroffenen Siedlungstypen (Mazur: 1914 - 1958 städtische vs. 1958 - 1990 ländliche)183 in teilweise nur zwei Phasen unterteilen, sind verschiedene Tendenzen und Entwicklungen als einzelne Phasen und Perioden zu behandeln. Beispielhaft seien hier die großen und kleinen Personenkulte in den Dreißigern oder die mit den großflächigen Annektierungen in Folge des Molotov-Ribbentrop-Paktes und mit den Vertreibungen der während des Krieges in Ungnade gefallenen Völker zusammenhängenden Benennungen und Umbenennungen angeführt.

Im folgenden Abschnitt werden die verschiedenen Phasen der einzeln vorgenommenen Umbenennungen mit ihren jeweiligen Besonderheiten vorgestellt. Die im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg auftretenden massenhaften Umbenennungen in der Kaliningrader Oblast’, der Oblast’ Leningrad, der Oblast’ Sachalin etc. werden gesondert von den übrigen Umbenennungen behandelt werden, da es sich hier um eindeutig von den einzeln vorgenommenen Umbenennungen getrennte Prozesse handelt.

Festzuhalten ist, dass die einzeln vorgenommenen Umbenennungen auch in der Phase massenhafter Umbenennungen vorgenommen worden sind. Diese beiden Prozesse sind trotzdem klar voneinander zu trennen, da sowohl der beteiligte Personenkreis als auch die beteiligten Verwaltungsglieder in unterschiedlichem Maße am Umbenennungsprozess beteiligt waren. Ebenso sind Protegé-Verhältnisse und andere Motive, die für einen Oikonymwechsel im Feld der einzeln vorgenommenen Umbenennungen sprachen, bei den...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.