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Die Gemeinsamkeit der Leiber

Eine sprachkritische Interexistenzialanalyse der Leibphänomenologie von Hermann Schmitz und Thomas Fuchs

Johannes Preusker

Immer und überall existieren wir durch, mit und zu den Anderen. In der Philosophiegeschichte ist die Gemeinschaftlichkeit von Sprache, Welt und Leben lange Zeit verkannt worden. Eine irrtümliche Orientierung am Einzelsubjekt beherrschte das Denken von Descartes bis Husserl. Noch heute sind Alltag und Wissenschaft zutiefst geprägt von der cartesianischen Spaltung in Idealität und Realität, Geist und Materie. Zu einem Hoffnungsträger der ganzheitlichen Beschreibung des Menschen hat sich die moderne Leibphänomenologie etabliert. Kann sie diesen Anspruch einlösen? Dieses Buch untersucht dahingehend die Ansätze von Hermann Schmitz und Thomas Fuchs mit teils ernüchternden, teils positiven Ergebnissen. Am Ende wird ein weiterführendes Konzept des Holismus entwickelt.
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3 Die Interexistenzialanalyse der Leibphänomenologie von Thomas Fuchs

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Am 29. September 1958 wurde Thomas Fuchs in München geboren. Dort studierte er von 1981 bis 1988 Medizin und Philosophie. In diesem Fach wurde Robert Spaemann (geb. 1927), der zwischen 1972 und 1992 Professor in München war, sein wichtigster Lehrer. Spaemann ist dem Kreis um Joachim Ritter (1903–1974) zuzuordnen, auf den das weltweit größte „Historische Wörterbuch der Philosophie“571 zurückgeht. Einen wichtigen Einfluss auf Ritter hatte unter anderen Erich Rothacker, welcher das akademische Großprojekt mit Beiträgen aus seiner Zeitschrift „Archiv für Begriffsgeschichte“572 unterstützte. In diesem Sinne lassen sich Schmitz und Fuchs als entfernte Geistesverwandte bezeichnen. Ebenfalls in München folgte 1989 bis 1996 Fuchs’ Ausbildung zum Psychiater. Seit 1997 ist er Oberarzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik von Heidelberg. In Philosophie promovierte Fuchs erst 1999 mit der Arbeit „Leib, Raum, Person. Entwurf einer phänomenologischen Anthropologie“, welche gleichsam die Textgrundlage für dieses Kapitel bildet. Professor für Psychiatrie und Psychotherapie wurde er 2005, worauf 2010 seine Habilitation in Philosophie und Ernennung zum Karl Jaspers-Professor für philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie erfolgte.

Das Hauptinteresse des Kreises um Ritter gilt der Philosophiegeschichte, dem Hegelianismus und dem Aristotelismus. Während diese Schwerpunkte bezeichnenderweise auch Schmitz’ Publikationsspektrum dominieren, werden sie von Spaemann im Duktus einer aristotelischen Naturphilosophie und einer Psychologie des Urvertrauens fortgeschrieben. In seinem Spätwerk573 legt er das Hauptaugenmerk auf den Personenbegriff, dessen Einfluss auf Fuchs bereits in dem ← 135 | 136 → Buchtitel „Leib, Raum, Person“ hervortritt....

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