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Antun Gustav Matoš

Ein Klassiker der kroatischen Moderne

Dubravka Oraic Tolic

Das Buch ist eine umfassende Abhandlung über einen der größten kroatischen Schriftsteller: Antun Gustav Matoš (1873-1914). Der Band ist in zwei methodologisch unterschiedliche Hauptkapitel aufgeteilt, in alte und neue Lektüren. Die alten Lektüren wurden unter dem Vorzeichen der Stilanalyse und der strukturellen Semiotik geschrieben. In diesem Teil liegt der Schwerpunkt auf Matoš’s Beziehungen zur Avantgarde sowie auf den stilistischen Merkmalen seiner Prosa. Die neuen Lektüren wurden nach 2010 verfasst und sind von der epistemologischen Wende im Fach gekennzeichnet. Diese Texte sind am Schnittpunkt von Kulturwissenschaften, Anthropologie und Imagologie entstanden. Hier geht es um Matoš’s Geopoetik, um seine Geschlechterimagologie, seine Poetik des Traums und seine Idee der Nation. Aus der Perspektive beider Methodologien kristallisieren sich zwei Phasen in Matoš’s Leben und Werk heraus: die frühe Phase seiner europäischen Emigration (Einheit der ästhetizistischen Stile und Merkmale der expressionistischen Poetik, liberalere Weltsicht) und die Phase nach seiner Rückkehr nach Kroatien (Stärkung der ästhetizistischen Stile, konservativere Weltsicht).
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Matoš und die Avantgarde

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Das stilistisch uneinheitliche, von der Gattungszuordnung und den Medien her verschiedenartige literarische und publizistische Werk macht A. G. Matoš zu einer zentralen Figur der kroatischen Literatur im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert. Der Autor ziselierter Sonette, des voravantgardistischen Gedichts Mòra (Albtraum), impressionistischer Reiseliteratur und einer mit Elementen der Phantastik und der Groteske angereicherten symbolistischer Prosa bezeugt die frühe Entwicklung der Avantgarde im Schoße der europäischen künstlerischen Moderne. Den in der Literatur zu Matoš vertretenen Allgemeinplatz – die These von seiner Widersprüchlichkeit – möchte ich hier am Beispiel des Gegensatzes zwischen dem expliziten poetischen Ästhetizismus und den impliziten in den Texten Matoš’s anzutreffenden antiästhetizistischen Formen darstellen.

Seine explizite Poetik des Ästhetizismus entwickelte Matoš in zahlreichen nichtfiktionalen Genres (Essays zur kroatischen und zu anderen Literaturen, Rezensionen zu aktuellen literarischen Werken, Kunst- und Theaterkritiken, Polemiken u. ä.), die er literarisch in zwei herausragenden ästhetizistischen Formen verwirklichte – in seinen Sonetten und in Teilen seiner Reiseprosa. In diesen Genres kommt es zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Übereinstimmung zwischen der expliziten Poetik des Ästhetizismus und den impliziten ästhetizistischen Strukturen. Nach eigener Auffassung hat der Autor in den Werken dieser stilistischen Orientierungen seine besten Leistungen erzielt. Aus der Perspektive unseres Themas hat jedoch eine andere frühere Genrereihe Vorrang: die grotesk-phantastische Prosa und das Gedicht Albtraum, in denen Matoš’s stilistische Ankündigung der Avantgarde paradoxerweise seiner Theorie des Ästhetizismus und seiner Ablehnung der futuristischen Poetik aus den 1910-er Jahren vorangeht.

Der...

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