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Fünfzig deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts, textnah interpretiert

Von Stefan George bis Ulla Hahn

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Christoff Neumeister

An fünfzig lyrischen Gedichten deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts wird eine Methode textnaher Interpretation vorgeführt. Grundlage ist dabei immer eine genaue sprachliche Analyse des betreffenden Textes, wobei auch die von ihm suggerierte Kommunikationssituation, sein Aussage-, Ausdrucks- und Appellcharakter sowie sein durch bestimmte Hervorhebungsmittel erzeugtes Wichtigkeitsrelief berücksichtigt werden. In der Regel wird auch die Lebenssituation des Autors, aus der das Gedicht hervorgegangen ist, in die Betrachtung mit einbezogen. Das Ergebnis erhebt nicht den Anspruch, die allein richtige Interpretation zu sein, wohl aber den, sich konsequent innerhalb des durch den Textbefund gesetzten Verständnisrahmens zu halten und insofern einen diesem angemessenen Deutungsvorschlag zu machen.
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22 Kaleko: Sozusagen grundlos vergnügt

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SOZUSAGEN GRUNDLOS VERGNÜGT

Ich freu mich, daß am Himmel Wolken ziehenUnd daß es regnet, hagelt, friert und schneit.Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.– Daß Amseln flöten und daß Immen summen,Daß Mücken stechen und daß Brummer brummen.Daß rote Luftballons ins Blaue steigen.Daß Spatzen schwatzen. Und daß Fische schweigen.

Ich freu mich, daß der Mond am Himmel stehtUnd daß die Sonne täglich neu aufgeht.Daß Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.Ich freue mich vor allem, daß ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter:Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.An solchem Tag erklettert man die Leiter,Die von der Erde in den Himmel führt.Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,– Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.Ich freue mich, daß ich mich an das SchöneUnd an das Wunder niemals ganz gewöhne.Daß alles so erstaunlich bleibt, und neu!Ich freue mich, daß ich … Daß ich mich freu.

1977 aus dem Nachlaß veröffentlicht, entstanden wahrscheinlich um 1930.

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