Show Less
Restricted access

Außenpolitische Deutungsverwaltung im SED-Regime

Das Institut für Internationale Beziehungen der DDR

Marcus Beyer

Marcus Beyer befasst sich mit dem Institut für Internationale Beziehungen der DDR (IIB) und der Frage nach dessen Aufgaben im Herrschaftsapparat der SED. Das IIB präsentierte sich als eine die außenpolitische Praxis beratende Forschungseinrichtung, de facto bestand seine Hauptaufgabe in der Absicherung der ideologischen Deutungsmacht der Parteiführung. Freiräume für kritische Analysen galten als unerwünscht und standen dem Selbstverständnis des SED-Regimes entgegen. Um die Funktion des IIB besser fassen zu können, wird der Begriff der Deutungsverwaltung eingeführt, die eine wesentliche Voraussetzung für den Ideologietransfer bildete. Auf Grundlage der zahlreich überlieferten Dokumente vom und zum IIB weist der Autor nach, dass sich Forschung am Institut auf Deutungsverwaltung reduzierte.
Show Summary Details
Restricted access

5. Die Erziehung zum „Parteiarbeiter auf dem Gebiet der Außenpolitik“

Extract

5.  Die Erziehung zum „Parteiarbeiter auf dem Gebiet der Außenpolitik“

Den meisten jungen Menschen, die es nach Babelsberg schafften, muss eine positive Einstellung zu Partei, Staat und Sozialismus unterstellt werden. Einige Akten belegen dennoch, dass auch sie nicht immer mit der Parteilinie übereinstimmten und die Zweckmäßigkeit mancher politischer Maßnahme der SED-Führung bezweifelten. Solchen Tendenzen sollte das Studium, das als Einheit von „klassenmäßiger, politisch-ideologischer Erziehung“ sowie „fachwissenschaftlicher und fremdsprachlicher Ausbildung“ konzipiert war622, entgegenwirken. Sein Schwerpunkt lag deshalb eindeutig auf „klassenmäßiger“ Erziehung. Die diplomatische Kaderschmiede verlangte von ihren Studenten persönliche Unterordnung und weltanschauliche Disziplin. Sie mussten lernen, die behauptete Richtigkeit von Entscheidungen der Parteiführung vorbehaltlos zu akzeptieren und ihr Auftreten sozialistischen Verhaltensnormen623 anzupassen. Vor allem aber sollten sie die Fähigkeit zur marxistisch-leninistischen (parteilichen) ‚Analyse‘ der internationalen Beziehungen erwerben, was letztlich bedeutete, selbst spezifische Phänomene so erklären zu können, dass die parteioffiziellen ideologischen Bewertungen des Weltgeschehens bestätigt wurden. Inhaltliche Grundlagen dieser Ausbildung bildeten deshalb in erster Linie die Methoden und Ergebnisse der Deutungsverwaltung des IIB.

Von Anfang an diente die ideologische Schulung von Parteimitgliedern der „Oktroyierung von Denkschablonen“ zum Zwecke ihrer Disziplinierung. Damit Kritik erst gar nicht aufkommen konnte, erzog man sie dazu, „gleichsam automatisch alle Auffassungen abzulehnen, die nicht in die vorgefaßte Parteilinie paßten“.624 Das erhebliche Maß der ideologischen Indoktrinierung und Disziplinierung am Institut lässt sich zunächst mit der exponierten Stellung seiner Absolventen begründen. So verweist auch die ehemalige...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.