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Geraubte Erinnerungen

Die Ästhetik von Identität und «memoria» in Félix Bruzzones «Los topos»

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Lela Weigt

In dem 2010 erschienenen Roman Los topos des argentinischen Gegenwartsautors Félix Bruzzone macht sich der Protagonist auf die Suche nach seinem während der argentinischen Militärdiktatur verschwunden geglaubten Bruder, die in der Suche nach der eigenen Identität gipfelt. In aller Radikalität betont Bruzzone die Tradierung der Gewalt bis in die Gegenwart. Der Roman stellt einen bedeutenden Beitrag zur gegenwärtigen Memoria-Debatte dar, indem er die konventionelle Verteilung von Täter- und Opferrollen in Frage stellt. Anhand von Methoden aus der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung wird Bruzzones literarische Inszenierung von Erinnerung und Identität im Kontext der argentinischen Gegenwartsliteratur mit Hinblick auf den aktuellen Gedächtnisdiskurs analysiert.
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5. Geraubte Erinnerungen: Die literarische Inszenierung von Identität und memoria in Félix Bruzzones Los topos

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5.1 Autor und Stoffgeschichte

Félix Bruzzone ist 1976 im Jahr des Militärputsches in Buenos Aires geboren. Seine Eltern gehörten während der argentinischen Militärdiktatur beide dem militanten Widerstand der ERP an und gehörten zu den ersten, die verhaftet wurden. Der Vater verschwand drei Monate vor seiner Geburt im Jahr 1976, die Mutter einige Monate danach.

Bruzzone studierte Literaturwissenschaft in Buenos Aires, wo er auch zeitweise als Grundschullehrer arbeitete. Verschiedene Texte von ihm sind bereits veröffentlicht worden. 2008 erschien in Buenos Aires sein Kurzgeschichtenband 76, der auch auf deutsch publiziert85 wurde und für den er im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2010 mit dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet wurde. Sein erster Roman Los topos erschien ebenfalls 2008 und wurde auch auf französisch veröffentlicht. Er ist Mitherausgeber seines eigenen Verlags Editorial Tamarisco. Neben seiner Arbeit als Autor und Herausgeber arbeitet Bruzzone als piletero, als Swimmingpoolreiniger, weil ihm die Einnahmen aus dem Verkauf seiner Bücher bisher keine Lebensgrundlage für sich und seine Familie sichern können. Seine Arbeit als piletero vergleicht er mit der Erinnerungsarbeit und inspirierte ihn für seinen zweiten Roman Barrefondo, der 2010 erschien:

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