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Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation an den Kölner Hochschulen

Ein Beitrag zur «Dezentralisierung» der deutschen Kolonialwissenschaften

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Anne-Kathrin Horstmann

Köln und seine Hochschulen blicken auf eine lange, bisher vernachlässigte koloniale Vergangenheit zurück. Sowohl in der Zeit des realen Kolonialbesitzes als auch im Zuge des Kolonialrevisionismus der Weimarer Republik und der NS-Zeit spielten «koloniale Themen» eine kontinuierliche Rolle in Wissenschaft und Öffentlichkeit, obwohl Köln nicht auf den ersten Blick als Kolonialmetropole erscheint und es in der Stadt nie ein «Kolonialinstitut» gab. Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation waren dennoch eng miteinander verknüpft. Die Studie spürt dieser vielschichtigen Verbindung nach und liefert durch ihren lokalhistorischen und postkolonialen Ansatz nicht nur neue Erkenntnisse für die Universitäts- und Stadtgeschichte, sondern auch für eine kritische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte.
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3. Wissen(schaft) und deutscher Kolonialismus

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Wissen spielte im (kolonialen) Diskurs eine große Rolle. Ohne die Aneignung und Verarbeitung, die Instrumentalisierung und Manipulation von Wissen wäre die Errichtung und Aufrechterhaltung kolonialer Herrschaft nicht möglich gewesen. Denn wer erobern will, benötigt Informationen – Informationen über geographische, wirtschaftliche und soziale Gegebenheiten, um die neu ‚entdeckten‘148 bzw. ‚erworbenen‘ Gebiete überhaupt fassen, erschließen und ‚beherrschen‘ zu können. Doch auch vor der kolonialen Aneignung war die „Akkumulation von Wissen über die außereuropäische Welt“ bereits ein „Strukturmerkmal der europäischen Expansion seit ihren Anfängen im 15. Jahrhundert“ gewesen.149 Frühe Forschungsreisen wie die von Kolumbus, Niebuhr, Cook und Humboldt bildeten mit ihren Berichten und gesammelten Informationen sogar häufig erst die Voraussetzungen und Grundlagen für die spätere Kolonisierung großer Teile der Welt. Sie beflü- gelten nicht nur die Phantasien der Europäer über die ‚fernen Welten‘ und prägten dadurch bereits Wahrnehmungsformen des ‚Anderen‘ und des ‚Fremden‘, sondern lieferten z.B. durch neu erkundete Routen, die sich gegebenenfalls positiv auf den Handelsverkehr auswirken konnten, auch immer schon wichtige Impulse für die imperialistischen und damit häufig einhergehend kolonialen Pläne der europäischen Mächte. Die Wissensproduktion in diesem Kontext hat also eine lange Tradition, dennoch veränderte sie sich ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunehmend. Dies lag nicht zuletzt daran, dass die fortschreitende Expansion Europas in dieser Zeit eine gesteigerte Dynamik erfuhr und gleichzeitig die europäischen Wissenschaften immer differenzierter und professioneller wurden...

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