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Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation an den Kölner Hochschulen

Ein Beitrag zur «Dezentralisierung» der deutschen Kolonialwissenschaften

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Anne-Kathrin Horstmann

Köln und seine Hochschulen blicken auf eine lange, bisher vernachlässigte koloniale Vergangenheit zurück. Sowohl in der Zeit des realen Kolonialbesitzes als auch im Zuge des Kolonialrevisionismus der Weimarer Republik und der NS-Zeit spielten «koloniale Themen» eine kontinuierliche Rolle in Wissenschaft und Öffentlichkeit, obwohl Köln nicht auf den ersten Blick als Kolonialmetropole erscheint und es in der Stadt nie ein «Kolonialinstitut» gab. Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation waren dennoch eng miteinander verknüpft. Die Studie spürt dieser vielschichtigen Verbindung nach und liefert durch ihren lokalhistorischen und postkolonialen Ansatz nicht nur neue Erkenntnisse für die Universitäts- und Stadtgeschichte, sondern auch für eine kritische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte.
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6. Werbung für den Kolonialgedanken in der Öffentlichkeit – Popularisierung und Inszenierung von ‚kolonialem Wissen‘

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Wissenschaft und Öffentlichkeit sind seit jeher miteinander verwoben. Die Produktion von Wissen ist ohne ihren jeweiligen gesellschaftlichen Kontext kaum denkbar, beide Bereiche verbindet eine „Geschichte der gegenseitigen Abgrenzungen, Bezugnahmen und Grenzüberschreitungen.“1027 Was als Wissenschaft gilt und was nicht, wird auf entscheidende Weise von der Öffentlichkeit mitbestimmt. Durch ihre Nachfrage, ihre Erwartungen und Bedürfnisse werden Forschungsinteressen geformt sowie bestimmte Forschungsvorhaben stärker fokussiert und gefördert als andere und bestimmten Wissenschaften bzw. spezifischem Wissen dadurch gesellschaftliche Anerkennung verschafft.

Wie die bisherige Forschung zeigt, professionalisierte sich spätestens im 19. Jahrhundert die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit.1028 ← 283 | 284 → Dabei fällt auf, dass diese „weit stärker von bestimmten weltanschaulichen und bildungspolitischen Absichten getragen [war] als von dem Motiv, Verständnis, kritische Urteilsfähigkeit oder praktische Anwendbarkeit zu vermitteln […].“1029 Betrachtet man die Produktion von ‚kolonialem Wissen‘ und dessen Popularisierung und Inszenierung für eine breitere Öffentlichkeit, bestätigt sich diese Annahme ebenfalls. ‚Koloniales Wissen‘ vermittelte immer eine bestimmte Weltanschauung, eine koloniale Weltanschauung, und hatte neben (kolonial)politischen Intentionen immer auch bildungspolitische. Darüber hinaus war es, folgt man Jens Jäger, vor allem auch ein „massenmedial vermitteltes Wissen.“1030 Dies lag hauptsächlich daran, dass der deutsche Kolonialismus seit seinen Anfängen nicht nur in Übersee, sondern auch ‚zu Hause‘ im Reich stattfand und hier nicht nur Teil politischer Debatten oder wissenschaftlicher Diskurse war, sondern besonders auf die Rückkopplung in der Gesellschaft angewiesen war. Um das Kolonialprojekt politisch durchsetzen und längerfristig...

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