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Constructive dismissal

Fingierte Arbeitgeberkündigung im englischen Kündigungsschutzrecht

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Stephanie Amschler

Das englische Arbeitsrecht enthält eine dem deutschen Recht fremde, jedoch insbesondere im anglo-amerikanischen Rechtskreis weit verbreitete Rechtsfigur: die sogenannte constructive dismissal. Definiert wird sie als Beendigung des Arbeitsvertrags durch den Arbeitnehmer aufgrund von Umständen, die im Verhalten des Arbeitgebers begründet sind und eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen. Liegt hiernach eine constructive dismissal vor, wird eine arbeitgeberseitige Kündigung fingiert. Die jeweiligen Voraussetzungen für die Einordnung als constructive dismissal im Detail sowie die sodann bestehenden Rechtsschutzmöglichkeiten des Arbeitnehmers stehen im Vordergrund dieser Arbeit. Im Anschluss folgt eine vergleichende Analyse der deutschen Rechtslage.
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Teil 3: Rechtsschutz bei constructive dismissal

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Teil 3: Rechtsschutz bei constructive dismissal

Ist eine Kündigung nach den soeben erläuterten Voraussetzungen als constructive dismissal zu qualifizieren, stehen dem Arbeitnehmer im englischen Kündigungsschutzrecht verschiedene Rechtsschutzmöglichkeiten zur Verfügung.406 In Betracht kommt eine Klage wegen unfair dismissal, redundancy oder auch wegen wrongful dismissal.

Die bedeutendste Rolle nimmt hierbei die Kündigungsschutzklage wegen unfair dismissal (ungerechtfertigte Kündigung) gemäß ss 94 ff. ERA 1996 ein, da Sachverhalte, in denen eine constructive dismissal vorliegt, in vielen Fällen dazu führen, dass die jeweilige Kündigung nach den Regeln der unfair dismissal ungerechtfertigt ist.407

Ob sich eine constructive dismissal hiernach tatsächlich als ungerechtfertigt darstellt und auch die anderen Voraussetzungen für das Eingreifen des Schutzes vor unfair dismissal gegeben sind, ist grundsätzlich auf die gleiche Art und Weise zu beurteilen, die auch für alle direkten arbeitgeberseitigen Kündigungen gilt. Manchen Anforderungen kommt im Fall einer constructive dismissal jedoch kaum ← 111 | 112 → Bedeutung zu, während andere Anforderungen eine weit größere Bedeutung erlangen als bei direkten Kündigungen des Arbeitgebers.

Gemäß s 94 (1) ERA 1996 hat jeder Arbeitnehmer das Recht, nicht ungerechtfertigterweise vom Arbeitgeber gekündigt zu werden. Voraussetzung für das Bestehen dieses Rechts ist somit die Arbeitnehmereigenschaft des Klägers. Der Legaldefinition in s 230 (1) ERA 1996 zufolge ist als Arbeitnehmer jede Person anzusehen, die einen contract of employment (Arbeitsvertrag) eingegangen ist, unter einem solchen arbeitet oder – falls das Arbeitsverhältnis bereits...

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