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Constructive dismissal

Fingierte Arbeitgeberkündigung im englischen Kündigungsschutzrecht

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Stephanie Amschler

Das englische Arbeitsrecht enthält eine dem deutschen Recht fremde, jedoch insbesondere im anglo-amerikanischen Rechtskreis weit verbreitete Rechtsfigur: die sogenannte constructive dismissal. Definiert wird sie als Beendigung des Arbeitsvertrags durch den Arbeitnehmer aufgrund von Umständen, die im Verhalten des Arbeitgebers begründet sind und eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen. Liegt hiernach eine constructive dismissal vor, wird eine arbeitgeberseitige Kündigung fingiert. Die jeweiligen Voraussetzungen für die Einordnung als constructive dismissal im Detail sowie die sodann bestehenden Rechtsschutzmöglichkeiten des Arbeitnehmers stehen im Vordergrund dieser Arbeit. Im Anschluss folgt eine vergleichende Analyse der deutschen Rechtslage.
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Einführung

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Das englische Arbeitsrecht enthält mit der constructive dismissal eine dem deutschen Recht fremde, jedoch sowohl im anglo-amerikanischen als auch im romanischen Rechtskreis weit verbreitete1 Rechtsfigur. Definiert wird sie als Beendigung des Arbeitsvertrags durch den Arbeitnehmer2 aufgrund von Umständen, die im Verhalten des Arbeitgebers begründet sind und eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen. Ist hiernach eine constructive dismissal gegeben, wird eine arbeitgeberseitige Kündigung fingiert.3 Dies ist für den Arbeitnehmer von besonderer Bedeutung, da das englische Kündigungsschutzrecht nur bei Vorliegen einer arbeitgeberseitigen Kündigung zur Anwendung kommt, grundsätzlich jedoch nicht bei einer Kündigung durch den Arbeitnehmer selbst (sog. resignation). Die Rechtsfigur der constructive dismissal ermöglicht es dem Arbeitnehmer somit, trotz der eigenen Beendigung des Arbeitsvertrags, eine der im englischen Kündigungsschutzrecht zur Verfügung stehenden Klagen4 zu erheben.

Um ein für die weitere Untersuchung notwendiges Verständnis für diese Rechtsfigur und die ihr zugrundeliegenden Sachverhaltskonstellationen zu schaffen, soll im Folgenden anhand zweier Beispiele in die Thematik eingeführt werden, welche ← 25 | 26 → für eine constructive dismissal typisch sind. Diese fallorientierte Herangehensweise entspricht auch insbesondere dem vom case law geprägten Rechtssystem5 Englands.

Ein bei der British Broadcasting Corporation angestellter Bühnenbildner war mit dem Bau eines Podests beauftragt. Er begann sofort nach Auftragserteilung mit der Fertigung des Podests, verließ seinen Arbeitsplatz aber noch vor Fertigstellung vorübergehend für eine Mittagspause, ohne Sicherungsmaßnahmen bezüglich des Podests zu ergreifen. In diesem Zeitraum verletzte...

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