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Polens Staatlichkeit in sieben Jahrhunderten

Eine völkerrechtliche Analyse zur Staatensukzession

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Adrianna Michel

Das Buch befasst sich mit Polens Geschichte in den vergangenen 700 Jahren und geht der Frage seiner Staatlichkeit nach. In einem historischen Teil werden die seit dem 14. Jahrhundert vereinbarten Unionsabschlüsse mit Litauen, die Teilungen des Landes in den Jahren 1772, 1793 und 1795 und schließlich die staatliche «Wiedererrichtung» nach dem Ersten Weltkrieg vorgestellt. Anschließend beschreibt die Autorin die Voraussetzungen für die Entstehung und den Untergang von Staaten und deren Folgen, erforscht das Verhältnis von Effektivitäts- und Kontinuitätsgrundsatz und hebt die Bedeutung der normativen Kraft des Faktischen hervor. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes tempus regit actum erfolgt in einem dritten Teil die völkerrechtliche Würdigung der Polen betreffenden territorialen und statusrechtlichen Veränderungen.
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9. Kapitel: Erster Weltkrieg

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Im November 1918 war der Kampf des polnischen Volkes für die Erlangung seiner Souveränität zu Ende. Nach 123 Jahren brachte der Erste Weltkrieg wieder einen souveränen polnischen Staat hervor. Das lange Streben nach Unabhängigkeit, das zu großem Leid geführt hatte, ging nun zu Ende.

Zum ersten Mal seit den Teilungen Polens befanden sich die Teilungsmächte miteinander im Krieg. Auf der einen Seite standen Deutschland und Österreich-Ungarn und auf der anderen Seite Russland, das sich in einer Allianz mit Frankreich und Großbritannien, der sogenannten Entente, befand.714 Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde das einstige polnische Gebiet nicht nur militärisch, sondern auch politisch zum Schlachtfeld.715 Im Sommer 1915 besetzten die Mittelmächte das Territorium Kongresspolens. Zwischen den Mittelmächten bestanden allerdings unterschiedliche territoriale Vorstellungen über den wiederherzustellenden polnischen Staat. Die Polen forderten in verschiedenen Programmen wiederholt einen direkten Zugang zum Meer und die Eingliederung Danzigs in das polnische Gebiet.716 Im Frühjahr 1916 stand zumindest fest, dass das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn einen polnischen Staat mit beschränkter Souveränität in der Größenordnung Kongresspolens, im Westen und Norden beschnitten, im Osten erweitert, schaffen wollten717 und dass Teile von Litauen sowie Kurland in einer noch nicht näher bestimmten Form an das Königreich angegliedert werden sollten.718 So kam es am 5. November 1916 schließlich zu einer gemeinsamen deutsch-österreichischen Proklamation719, in der die Wiederherstellung eines polnischen ← 97 | 98 → unabhängigen Staates auf dem Gebiet Kongresspolens in Aussicht...

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