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Polens Staatlichkeit in sieben Jahrhunderten

Eine völkerrechtliche Analyse zur Staatensukzession

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Adrianna Michel

Das Buch befasst sich mit Polens Geschichte in den vergangenen 700 Jahren und geht der Frage seiner Staatlichkeit nach. In einem historischen Teil werden die seit dem 14. Jahrhundert vereinbarten Unionsabschlüsse mit Litauen, die Teilungen des Landes in den Jahren 1772, 1793 und 1795 und schließlich die staatliche «Wiedererrichtung» nach dem Ersten Weltkrieg vorgestellt. Anschließend beschreibt die Autorin die Voraussetzungen für die Entstehung und den Untergang von Staaten und deren Folgen, erforscht das Verhältnis von Effektivitäts- und Kontinuitätsgrundsatz und hebt die Bedeutung der normativen Kraft des Faktischen hervor. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes tempus regit actum erfolgt in einem dritten Teil die völkerrechtliche Würdigung der Polen betreffenden territorialen und statusrechtlichen Veränderungen.
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1. Kapitel: Die Großmacht Polen-Litauen

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Im 10. bis 11. Jahrhundert entwickelte sich der erste polnische Staat.1 Polen2 bildete ein umgrenztes Territorium.3 Ferner war durch den Zusammenschluss der Stämme eine staatliche Organisation erkennbar. Polen bestand auf diese Weise bereits im 10. Jahrhundert als Territorialstaat. Dieses staatliche Gefüge ist auch in der Zeit der Teilfürstentümer im 13. Jahrhundert nicht auseinandergebrochen. In dieser Zeit wurden die Herrschaftsrechte nach dem Senioratsprinzip4 bestimmt. Das Senioratsprinzip, das in dem Testament Bolesław Schiefmunds geregelt war, sah vor, dass kein Alleinerbe eingesetzt, sondern das Land unter den Söhnen Schiefmunds als Erben, denen jeweils ein Herrschaftsgebiet zugesprochen wurde, aufgeteilt wurde. In diesen Fürstentümern galt die Erbfolgeregelung, dass die Fürstentümer den Söhnen des verstorbenen Herrschers nicht dauerhaft, sondern nur zeitlich begrenzt zugesprochen wurden. Wenn ein Inhaber des Fürstentitels starb, rückte sein Erbe nach. Der älteste Sohn erhielt als „Senior“ das Großfürstentum Krakau (ducatus Poloniae) als mächtigstes Teilfürstentum und außerdem formal die Oberhoheit über die anderen Teilfürstentümer.5 Der Senior war zudem der Inhaber der Herrschaftsrechte über die Verwaltung, das Gericht, die Münze und besaß auch die Obergewalt über das Heer. Auf diese Weise galt er zumindest formal als Herrscher über den gesamten Verband der polnischen Teilfürstentümer. Diese Regelung ermöglichte, dass Polen trotz der Dezentralisierungstendenzen und der Separationsbestrebungen der einzelnen Teilfürstentümer weiterhin als einheitlicher Staat fortexistierte.6 ← 245 | 246 → Hierfür spricht auch, dass der Name „Polen“ in der Zeit der Teilf...

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