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Nomadisches Schreiben nach dem Zerfall Jugoslawiens

David Albahari, Bora Ćosić und Dubravka Ugrešić

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Diana Hitzke

Nach dem Zerfall Jugoslawiens legen David Albahari, Bora Ćosić und Dubravka Ugrešić Texte vor, die sich als nomadisches Schreiben bezeichnen lassen. Sie handeln von der Migration der Protagonist_innen und stellen Bewegungen durch literarische Verfahren her. Kulturelle Transformationen und Destabilisierungsprozesse bilden nicht nur den Hintergrund der Texte, sie sind auch Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung. Das Nomadische – ein Gilles Deleuze und Félix Guattari entlehnter und für die literarische Analyse fruchtbar gemachter Begriff – wird in der Analyse der Texte sichtbar. Schwerpunkte liegen auf den intermedialen Bewegungen zwischen Tonband und Text bei Albahari, der Imagination einer Gemeinschaft der Staatenlosen bei Ćosić sowie einer Kartografie des Fragments bei Ugrešić.
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1. Nomadisches Schreiben

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1. Nomadisches Schreiben

Nach meiner Vorstellung von dem, was man als die nomadische Literatur bezeichnen könnte, handelt es sich weder darum, eine Wissenschaft auszuarbeiten noch eine Geschichte zu erzählen, noch einen Zustand von Dingen widerzuspiegeln, sondern darum, Fährten zu folgen.7

Der Titel „Nomadisches Schreiben“ möchte sich nicht als Neuerfindung ausgeben. Bewegungen von Personen (Autor_innen, Erzähler_innen und Protagonist_innen) auf literarische Texte zu beziehen und damit textuelle Strategien mit einer spezifischen Art und Weise der Mobilität zu beschreiben, ist in der Literaturwissenschaft weit verbreitet.8 In meiner Dissertation möchte ich zweierlei leisten: Indem ich von Minhha Trinhs Beobachtung ausgehe, dass für einige Schriftsteller_innen das Schreiben und nicht ein Ort, zum eigentlichen Zuhause wird – „for a number of writers in exile, the true home is to be found not in houses but in writing“9 –, möchte ich mit dem Begriff des ‚Nomadischen Schreibens‘ ← 15 | 16 → Texte und Schreibweisen fassen, die ein solches „home […] in writing“ mit einem Zustand ständiger nomadischer Bewegung verbinden. Die Analyse der entsprechenden Texte von David Albahari, Bora Ćosić und Dubravka Ugrešić werde ich in enger Anlehnung an diesen Ausgangspunkt, aber auch mit fortwährendem Bezug auf die theoretische Zielsetzung der Arbeit vornehmen. Den Begriff des Nomadischen – und das ist die zweite Zielsetzung der Arbeit – möchte ich dabei, eng an Deleuze und Guattari angelehnt, parallel zur Textlektüre und -analyse ausarbeiten und auf das Schreiben beziehen.

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