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Sprachwissenschaft für den Alltag. Ein Kompendium

Unter Mitarbeit von Alexander Gräbner. 3., aktualisierte und erweiterte Ausgabe

Hartmut Heuermann

Wir lieben unsere Sprache. Aber kennen wir diese scheinbar so selbstverständliche Sache, mit der wir täglich umgehen? Wissen wir, welch vielschichtiges Gebilde sie in Wirklichkeit darstellt? Ahnen wir die Mannigfaltigkeit und die Feinheiten, die sie offenbart, sobald man die Oberfläche verlässt und den Phänomenen auf den Grund geht? Was zum Beispiel ist ein Symbol, und wie unterscheidet es sich von einer Metapher? Was versteht man unter Ethnolekt, und was ist seine Beziehung zum Idiolekt und Dialekt? Was hat es mit Pidgin auf sich? Sprachwissenschaft für den Alltag ist ein Kompendium, das sprachwissenschaftliches Wissen für den Hausgebrauch vermittelt. In dieser dritten, aktualisierten und erweiterten Ausgabe, die gegenüber der zweiten Auflage nochmal erweitert und ergänzt ist, werden über 230 Schlüsselbegriffe erläutert, die das Medium dem Nutzer näherbringen und der Welt der Sprache Profil verleihen. Eine praktische Handreichung für alle, die mit Sprache umgehen und ihre Kenntnisse verbessern möchten. Eine nützliche Lektüre zu einer Zeit, in der es um die deutsche Sprache offenkundig nicht zum Besten steht.
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en Erkenntnisse des Sprachwissenschaftlers Ferdinand de Saussure betrifft die Differenzierung der unterschiedlichen (inneren und äußeren) Zustände der Sprache. Saussure stieß sich an dem diffusen Begriff Sprache (langue), mit dem alles bezeichnet werden konnte und unter dem alles zusammengefasst schien, was dieses wichtige Kommunikationsmittel des Menschen ausmachte: Was jemand ad hoc sagte oder schrieb, war Sprache, worauf er dabei in seinem Gehirn als Befähigung zurückgriff, war Sprache, und was außerhalb seines Kopfes als Verständigungsmittel existierte, war unabhängig vom aktuellen Gebrauch ebenfalls Sprache. Hier glaubte de Saussure „aufräumen“ und mit den drei o. g. Begriffen größere Klarheit stiften zu müssen: Langage ist für ihn die Sprachbefähigung schlechthin, d. h. die Gabe der Natur oder der Evolution, Sprache entwickeln und anwenden zu können. Bei dieser allgemeinen Fähigkeit unterschied er zwei Aspekte: langue und parole. Das eine ist das System als Basis des intelligiblen Sprechens und Schreibens (was, streng genommen, ein Konstrukt ist, das sich aus der Gesamtmenge der Fähigkeiten aller Sprecher einer Sprachgemeinschaft ableiten lässt). Das andere ist die konkrete Sprachhandlung eines Menschen, die eine kommunikative Tätigkeit zu ← 75 | 76 → einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort darstellt. Die deutsche Sprache verfügt über keine begrifflichen Entsprechungen, die diese sinnvolle Differenzierung zum Ausdruck bringen. Sprachwissenschaftler in unserem Land bedienen sich bei der Beschreibung des Sachverhalts mit Bezug auf Saussure gewöhnlich der französischen Termini.

Jeder Bedeutungsvermittlung in den natürlichen Sprachen geht die...

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