Show Less
Restricted access

Vom NS-Volkstum- zum Vertriebenenfunktionär

Die Gründungsmitglieder des "Südostdeutschen Kulturwerks</I> München und der Landsmannschaften der Deutschen aus Rumänien, Ungarn und Jugoslawien

Johann Böhm and Klaus Popa

In dieser Studie werden jene Personen der Öffentlichkeit in Erinnerung gebracht, die die Kriminalität des staatlich institutionalisierten Nationalsozialismus innerhalb der deutschen Volksgruppen in Rumänien, Ungarn und dem ehemaligen Jugoslawien unterstützten und die deutsche Bevölkerung einem verbrecherischen Regime auslieferten. Nach 1945 beherrschten diese ehemaligen Nazis nicht nur die Landsmannschaften der Deutschen aus diesen Ländern in der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch das Südostdeutsche Kulturwerk und die Südostdeutschen Vierteljahresblätter. So konnten sie ihre fragwürdige Geschichtsauffassung ungestört verbreiten und ihre Kritiker mit Schmähkampagnen und Einschüchterungsversuchen verunglimpfen. Deshalb widmet sich diese Arbeit der Frage, wie es möglich war, dass sich diese Vertriebenenpolitiker mit brauner Vergangenheit nach 1945 wieder an die Spitze ihrer Landsleute setzen konnten.
Show Summary Details
Restricted access

11. Der Eklat Friedrich Müllers mit der Kirchen- und Volksgruppenführung

Extract



Wie konnte es zwischen dem überzeugten gemäßigten Nationalsozialisten Friedrich Müller und der Volksgruppenführung des Andreas Schmidt und Bischof Staedel zum Eklat kommen? Zwar lehnte Müller den extrem radikalen Nationalsozialismus eines Waldemar Gust und Bonferts ab, aber nicht die Errichtung des NS-Volksgruppen-regiments im November 1940 unter Andreas Schmidt. Besonders aufschlussreich für Müllers politische Einstellung bis August 1944 sind seine Worte:

„Ich traute der Versicherung Hitlers, die er in seinen Reden immer wieder abgab, dass er an Gott glaube und jeden Gottesglauben achte [...]. Ich traute Hitlers Versicherung in der großen Programmrede im Frühjahr 1939, deren Position dann propagandistisch immer wieder ausgewertet wurde: Der Nationalsozialismus sei keine Ausfuhrware, sondern stelle einen Weg dar, das deutsche Volk zur Erfüllung seiner Aufgabe tauglicher zu machen [...].“202

Auch der Verlauf des von Hitler am 1. September 1939 vom Zaun gebrochenen, sich dann ab 1941 zum Zweiten Weltkrieg ausweitenden gigantischen Ringens über den ganzen Erdball scheint keinen besonderen Wandel in Müllers politischer Einstellung zum Nationalsozialismus bewirkt zu haben. Das zeigen seine Ausführungen in der Predigt vom 31. August 1941 „Wovon und wozu befreit Christus?“203, in der er neben antijüdischen Äußerungen auch auf den Russlandfeldzug einging und sagte:

„Und das ‚Heil Hitler‘ wird gerade uns Christen in diesen Tagen zum Gebet. Hier handelt der Führer ganz gewiß als Gottes Werkzeug“.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.