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Franz Brentano-Carl Stumpf: Briefwechsel 1867–1917

Unter Mitarbeit von Thomas Binder

Series:

Margret Kaiser-El-Safti

Mit diesem Band liegt erstmals seit fast hundert Jahren eine Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen Franz Brentano und Carl Stumpf vor. Die beiden Philosophen gelten als Wegbereiter der international und interdisziplinär konzipierten phänomenologischen Bewegung, die Stumpfs Beitrag infolge seines stark musikpsychologisch relevanten Ansatzes bislang nicht angemessen rezipierte. In einer Zeit radikaler Paradigmenwechsel in der Wissenschaftsentwicklung vermitteln die Briefe Wendepunkte in der zunächst gemeinsam, später kontrovers vertretenen Idee von einer neuen wissenschaftlichen Philosophie, die heute noch aufschlussreich sind für das Verhältnis von Philosophie und Psychologie. Die Briefe lassen aber auch die persönlichen, zum Teil dramatischen Hintergründe dieses wohl einmaligen Freundschaftsverhältnisses erkennen.
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Zur Geschichte des Briefwechsels von Franz Brentano mit Carl Stumpf: Thomas Binder

I.

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Zur Geschichte des Briefwechsels von Franz Brentano mit Carl Stumpf

Thomas Binder

Der größte und wichtigste Teil von Franz Brentanos Nachlass wurde 1966 von dessen Sohn Giovanni Brentano (1888–1969) der Houghton Library, die die special collections der Harvard College Library verwahrt, als permanent loan übergeben. Dieser Nachlass enthält mehr als 800 philosophische Werkmanuskripte und mehr als 3000 Briefe, die – obwohl auch viele Briefe überwiegend privaten Charakters darunter sind – als Brentanos „wissenschaftliche Korrespondenz“ bezeichnet werden. Das Verzeichnis der Briefe, die unter der Signatur bMS Ger 202 geordert werden können, listet 146 Briefe von Brentano an Carl Stumpf und 42 Briefe von Stumpf an Brentano auf. Das ist in zweifacher Hinsicht bemerkenswert. Zunächst stellt sich natürlich die Frage, wie kommen die Briefe Brentanos in den Nachlass Brentanos? Man würde sie doch eher im Nachlass Carl Stumpfs vermuten. Und woher kommt das Missverhältnis in der Anzahl der Briefe? Hat Stumpf so viele Briefe weniger geschrieben als Brentano, sind Briefe verloren gegangen oder befinden sie sich an anderen Orten? Um diese Fragen beantworten zu können, soll hier ein kurzer Blick auf die Geschichte der beiden Teile der Korrespondenz geworfen werden, die – trotz des teilweise gemeinsamen Endpunktes – doch recht verschieden verlaufen ist.

Beginnen wir mit den Briefen Brentanos an Stumpf. Schon in den Zwanziger Jahren begann Oskar Kraus (1872–1942), neben Alfred Kastil (1874–1950) der Herausgeber des Nachlasses von Brentano und spätere Leiter des Prager Brentano-Archivs, Kontakt mit...

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