Show Less
Restricted access

Jazz in der DDR und Polen

Geschichte eines transatlantischen Transfers

Series:

Christian Schmidt-Rost

Christian Schmidt-Rost vergleicht die Jazzszenen in der DDR und Polen und beschäftigt sich mit den transatlantischen Transferprozessen, in die sie eingebunden waren. Sein Buch gibt einen Einblick in den vielfältigen Umgang mit der amerikanischen Musik Jazz im Kalten Krieg. Dabei werden die Handlungsspielräume von Herrschenden und Jazzern – Musikern, Organisatoren, Journalisten, Fans – in den beiden staatssozialistischen Gesellschaften untersucht und deren Wandel seit den 1950er Jahren nachvollzogen. Der Autor macht deutlich, wie es den Jazzern gelang, über Medien, Verbände und Festivals blockübergreifende Kommunikationsräume zu etablieren, während die Musik zugleich für immer mehr Akteure zu einem Geschäft wurde. Seine Studie zeigt, wie Jazz im Kalten Krieg ebenso polarisierte wie verband.
Show Summary Details
Restricted access

3 Zugang durch Agenten des Transfers

Extract

Amerika rückte ein - und ich war von dieser Sekunde an Amerikaner. Die alten Helden waren tot, ausgebrannt. Ein junger Mensch braucht Idole. Die Amerikaner waren Idole auf Kreppsohlen, mit Chesterfield im Mundwinkel. Jeep plus Jazz, die Neger, Kaugummi - alles, was mit den GIs kam, vor allem deren Sender AFN, wurde für uns über Nacht zum Nonplusultra.1

Mit diesen Worten fasste Reginald Rudorf seine Erinnerungen an den Frühling 1945 in Leipzig zusammen. Rudorfs erste Begegnungen mit den Amerikanern festigten seine Begeisterung für die amerikanische Musik soweit, dass er sich in den folgenden Jahren äußerst engagiert für den Jazz in der SBZ/DDR einsetzte. Die Lässigkeit, mit der die amerikanischen Soldaten auftraten, faszinierte viele Jugendliche wie Rudorf. Sie nahmen die swingende Musik als Repräsentanten dieses Lebensgefühls wahr, das auf sie eine hohe Attraktivität ausstrahlte.2 Mit den amerikanischen Truppen kamen sowohl professionelle amerikanische Musiker, die für die Truppenunterhaltung eingesetzt wurden, als auch Amateurmusiker in den Reihen der Soldaten, die in ihrer Freizeit Jazzmusik spielten.3 Jedoch waren nicht alle Amerikaner Jazzfans, wie die Mitglieder des Hot Club Leipzig4 Jutta Hipp und ihr Bruder ernüchtert feststellen mussten, als sie die einrückenden Amerikaner auf ihrem Balkon mit Jazzmusik vom Grammofon begrüßten.5 Die amerikanische Armee rückte im April 1945 bis Torgau an der Elbe vor. Auf diese Weise kamen Menschen, wie die genannten, die in Gebieten lebten, die später die südwestliche SBZ/DDR bilden sollten, für kurze...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.