Show Less
Restricted access

Jazz in der DDR und Polen

Geschichte eines transatlantischen Transfers

Series:

Christian Schmidt-Rost

Christian Schmidt-Rost vergleicht die Jazzszenen in der DDR und Polen und beschäftigt sich mit den transatlantischen Transferprozessen, in die sie eingebunden waren. Sein Buch gibt einen Einblick in den vielfältigen Umgang mit der amerikanischen Musik Jazz im Kalten Krieg. Dabei werden die Handlungsspielräume von Herrschenden und Jazzern – Musikern, Organisatoren, Journalisten, Fans – in den beiden staatssozialistischen Gesellschaften untersucht und deren Wandel seit den 1950er Jahren nachvollzogen. Der Autor macht deutlich, wie es den Jazzern gelang, über Medien, Verbände und Festivals blockübergreifende Kommunikationsräume zu etablieren, während die Musik zugleich für immer mehr Akteure zu einem Geschäft wurde. Seine Studie zeigt, wie Jazz im Kalten Krieg ebenso polarisierte wie verband.
Show Summary Details
Restricted access

4 Zwischenfazit: Zugang

Extract

Die Zugänge, die Menschen aus der SBZ/DDR und Polen zu Jazz, Swing sowie jazziger Tanzmusik hatten, wurden wesentlich von der weltpolitischen Lage beeinflusst. In der unmittelbaren Nachkriegszeit galt diese Musik den sowjetischen Machthabern in Moskau und somit auch ihren Statthaltern in der SBZ und Polen als „antifaschistisch“, da sie unter den Nazis als „entartet“ angesehen worden war. Dementsprechend akzeptierten die kommunistischen Herrschenden Jazz sowie Swing und förderten deren Produktion im Rundfunk und bei Plattenfirmen in der SBZ ebenso wie in Polen. Mit der Verschärfung der Blockkonfrontation ab 1948 galt die Musik den sowjetischen Herrschenden nun als „amerikanisch imperialistisch“. Daraufhin versuchten die Herrschenden in der SBZ und Polen, Jazz und jazzige Musik aus der Öffentlichkeit zu drängen, und die Produktion von derartiger Musik zu verhindern.

Zentral für die Übertragung der Jazzmusik und des Wissens über diese waren die Medien: Radio, Film, Tonträger und Zeitschriften. Ihren ersten Kontakt mit der Musik hatten die Jazzer charakteristischerweise über das Radio; meist über einen der amerikanischen Sender American Forces Network bzw. Voice of America oder Radio Luxemburg. Radioempfänger waren weit verbreitet und die Radiowellen überquerten den Eisernen Vorhang trotz Störsendern relativ einfach. Somit war das Radio für den Zugang zu Jazzmusik das wichtigste Medium. Zudem wirkte sich der Kalte Krieg auf den Anteil jazziger Musik in den Radioprogrammen aus. So versuchten die Herrschenden in Polen und der DDR ab etwa 1949, Jazz aus den eigenen Rundfunkprogrammen zu verdrängen, und Störsender gegen die...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.