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Geschlechterrollen und Frauenbilder

Untersuchungen zu Romanen frankophoner schwarzafrikanischer und deutschsprachiger Autoren und Autorinnen

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Sewa Okpar

Der Wandel der Gender-Vorstellungen, der durch den politischen Feminismus der 1970er-Jahre angestoßen wurde, ist in der Literatur wie in den Literatur- und Kulturwissenschaften ein Thema von zunehmender Wichtigkeit. Dies gilt nicht nur für Europa, sondern auch für Afrika, dessen Länder von jenem Gender-Diskurs erreicht wurden. Gegenstand dieser Studie ist ein Vergleich literarischer Texte hinsichtlich der Darstellung von Geschlechterrollen und Frauenbildern. Der Verfasser bedient sich einer genderorientierten Untersuchung und behandelt Texte von vier Feministinnen, u.a. Calixthe Beyala und Elfriede Jelinek sowie von vier männlichen Autoren, von denen drei zur Genderfrage differenzierte Positionen bezogen haben: Heinrich Böll, Mongo Béti und Sadamba Tcha-Koura. Die Analyse zeigt, dass es hinsichtlich des Gender-Diskurses keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen, afrikanischen und europäischen Autoren gibt. Die festzustellenden Differenzen sind auf soziale Begebenheiten zurückzuführen, in denen analoge patriarchale Geschlechterbilder zu unterschiedlichen Folgen für die Individuen führen.
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8. Marlene Streeruwitz’ Verführungen

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Marlene Streeruwitz war bis zur Veröffentlichung ihres ersten Romans im Jahre 1996196 als Dramatikerin bekannt. Ihr Wechsel vom Theater zur Prosa wurde als ihr endgültiger literarischer Durchbruch bezeichnet.197 Der Untertitel des Debütromans 3. Folge. Frauenjahre ist, nach Katharina Döbler,198 als Anspielung auf das Mädchenbuch von Emmy von Rhoden zu betrachten, das 1985 mit dem Titel „Der Trotzkopf“ erschien und in dem die Entwicklung eines Mädchens bis ins Erwachsenenalter erzählt wird. Die Geschichte endet mit der Verlobung der Protagonistin, aber das Eheleben, genannt die „Frauenjahre“, wird nicht erzählt.

Streeruwitz’ Roman berichtet über die gescheiterte Ehe Helene Gebhardts, über den Verlauf von deren „Frauenjahren“. Geschildert werden der Alltag der in Wien lebenden alleinerziehenden Mutter zweier Töchter199 sowie ihre unglücklich verlaufenden Liebesbeziehungen. Sie taumelt, wie andere Frauen ihrer Umgebung, von einer Enttäuschung in die nächste. Der Fokus der Erzählung liegt vor allem auf den trivialen Tätigkeiten, die das Leben der dreißigjährigen Protagonistin ausmachen. So läuft ihr Leben fast immer nach demselben Muster ab: Das Eilen zur schlecht bezahlten Arbeit, die Suche nach einem Parkplatz, das Einkaufen, welches auf dem ← 161 | 162 → Weg vom Büro nach Hause noch erledigt werden muss, das Schleppen von schweren Einkaufstaschen, das Kochen, die Sorge um die Kinder, die Auseinandersetzung mit dem Noch-Ehemann, das Aufräumen, die Sorgen wegen der kaputten Geschirrspülmaschine, die Geldnöte, das Warten auf und das Treffen mit dem Liebhaber. Einerseits wird in...

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