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Perspektiven des Friaulischen

Eine soziolinguistische Untersuchung am Beispiel junger Erwachsener

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Anja Neuber

Im Zentrum der Untersuchung steht das Friaulische als Minderheitensprache und sein Stellenwert bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 30 Jahren. Im Rahmen einer Umfrage ( L’uso del Friulano) ist die Zielgruppe unter anderem zu folgenden Aspekten befragt worden: Niveau der Sprachkenntnisse, Aneignungsprozesse sowie Verwendung als mündliches und schriftliches Kommunikationsmittel. Den Auswertungen vorangestellt sind eine Einführung in das Untersuchungsgebiet Friaul-Julisch Venetien (geographische Lage, historische Entwicklung, Bevölkerung) sowie ein Abschnitt zum Friaulischen als Minderheitensprache. Dieser liefert Definitionen, beschreibt gesetzliche Bestimmungen sowie aktuelle Schutzmaßnahmen und gibt einen Überblick über die derzeitige sprachliche Situation.
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3. Friaulisch als geschützte Minderheitensprache

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Obwohl das Friaul auf eine lange Entwicklungsgeschichte zurückblicken kann, nahm das wissenschaftliche Interesse an diesem Gebiet erst gegen Ende des 19. Jh.s zu. Ethnologen begannen damit „l’abbigliamento, le tradizioni, i riti, i balli, le musiche, le forme dell’abitare“ zu beschreiben und „a raccogliere canti, fiabe, proverbi, leggende, ricetti, strumenti di lavoro, tessuti, epistolari, archivi aziendali, stampe popolari“ (Strassoldo 2005: 10). Die Arbeiten konzentrierten sich zunächst auf den kulturellen Bereich (Lebensweise, Gewohnheiten und Traditionen der Bevölkerung). Zunehmend wurden statistische Erhebungen durchgeführt mit dem Ziel „dati sistematici sulla demografia, la sanità, l’emigrazione, l’agricoltura [e] la classa operaia“ (Strassoldo 2005: 10) zu erfassen. So gelang es mehr und mehr die Bevölkerung in ihrer Komplexität zu beschreiben.

Die ersten linguistischen Forschungsarbeiten stammen ebenfalls aus der zweiten Hälfte des 19. Jh.s. Hier ist der in Görz geborene Linguist Graziadio Isaia Ascoli (1829–1907) hervorzuheben, der bis heute als „il riconosciuto fondatore della ricerca scientifica sul friulano e in generale della dialettologia moderna“ (Francescato 1991: 7) gilt. Die Saggi Ladini, einer seiner wichtigsten Aufsätze, wurden 1873 publiziert. Das Ergebnis seiner Untersuchungen war das Herauslösen einer rätoromanischen Sprachgruppe, eine

aufgrund dialektaler Verwandtschaften rekonstruierten Spracheinheit, die in ihrer ursprünglichen Konzeption drei voneinander getrennte Sprachgebiete umfassen sollte: die romanischen Mundarten Graubündens in der Schweiz (genannt romontsch < ROMANICE [LOQUI] ’romanisch sprechen’), die Dialekte rings um das Sellagebiet (ladino dolomitico oder atesino) und das Friaulische (friulano). (Blasco Ferrer 1994: 18).

Ascolis...

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