Show Less
Restricted access

BERGeLEBEN

Naturzerstörung – Der Alptraum der Alpen- Eine Kritik des Tourismus im Tiroler Ötztal

Series:

Ursula Scheiber

Moderne Seilbahnstationen auf den höchsten Gipfeln, Kunstschneeherstellung auf den schwindenden Gletschern, Wellnessanlagen, gefüllt mit dem Wasser aus dem Berginneren, und Freizeitparks in den Talebenen: Die touristischen Projekte in den Alpentälern suggerieren Fortschritt und eine Neuschöpfung angeblich besserer Lebensbedingungen. Der analytische Blick durch die Brille der Kritischen Patriarchatstheorie lässt erkennen, dass dabei für einen historischen Moment und den Profit einiger weniger die Zukunft der Bergnatur und der Menschen brutal aufs Spiel gesetzt wird. Die konkreten Beispiele aus dem Tiroler Ötztal zeigen: Die gegenwärtige Zivilisation ist nicht nur weltweit, sondern auch vor unserer Haustür dabei, unseren Lebensraum zu vernichten. Was kann getan werden, um das Bergleben nicht irreversibel zugrunde gehen zu lassen?
Show Summary Details
Restricted access

Vorwort

← 12 | 13 →Vorwort

Extract

Vieles ist verändert worden im ursprünglich wilden und abgelegenen Bergtal, das in den letzten Jahrzehnten zur bekannten Tourismusdestination Ötztal mutierte. Das Angebot lässt keine Wünsche offen, es ist komplett und superlativ – ein alpiner Freizeitpark, der das ganze Jahr über mit Attraktionen und einer einzigartigen Bergwelt die Massen anlockt. Die Berge selbst finden sich in einem Alptraum wieder, der für sie zur Realität geworden ist. Neue touristische Projekte bedingen in ihrer Umsetzung die Ausbeutung, Bebauung, Transformation und Zerstörung der alpinen Natur. Sie wird als Objekt, Rohstoff, profitbringende Ware, Sportgerät und Kulisse behandelt – der „Logik“ von Fortschritt und Moderne entsprechend. Die Wahrnehmung der Berge als Lebendige und Lebensgrundlage hingegen scheint in ihrer angeblichen „Antiquiertheit“ obsolet geworden. An ihre Stelle tritt die Bewunderung für ihre neue, künstlich geschaffene, als „bessere“ und „vollkommenere“ propagierte Gestalt.

Berg zu sein ist eine Besonderheit. Weltweit gesehen bedecken Gebirge über 2000 Meter Seehöhe weniger als fünf Prozent der gesamten Erdoberfläche.1 Bei näherer Betrachtung – abseits von Zahlen und Fakten – zeigen sich Bergregionen als vielfältige und spezifische Lebensräume. Gegenwärtig wird dieses Besondere jedoch zerstört, um konkurrenzfähige touristische Projekte zu realisieren und somit im kapitalistischen Wettbewerb mithalten zu können. Diejenigen, die diese Projekte planen und umsetzen, sind angetreten, um aus den Bergen möglichst rasch einen möglichst hohen Profit zu schlagen – koste es selbst die Grundlage für ein zukunftsfähiges Leben: die Bergnatur selbst. Durch die touristischen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.