Show Less
Restricted access

BERGeLEBEN

Naturzerstörung – Der Alptraum der Alpen- Eine Kritik des Tourismus im Tiroler Ötztal

Series:

Ursula Scheiber

Moderne Seilbahnstationen auf den höchsten Gipfeln, Kunstschneeherstellung auf den schwindenden Gletschern, Wellnessanlagen, gefüllt mit dem Wasser aus dem Berginneren, und Freizeitparks in den Talebenen: Die touristischen Projekte in den Alpentälern suggerieren Fortschritt und eine Neuschöpfung angeblich besserer Lebensbedingungen. Der analytische Blick durch die Brille der Kritischen Patriarchatstheorie lässt erkennen, dass dabei für einen historischen Moment und den Profit einiger weniger die Zukunft der Bergnatur und der Menschen brutal aufs Spiel gesetzt wird. Die konkreten Beispiele aus dem Tiroler Ötztal zeigen: Die gegenwärtige Zivilisation ist nicht nur weltweit, sondern auch vor unserer Haustür dabei, unseren Lebensraum zu vernichten. Was kann getan werden, um das Bergleben nicht irreversibel zugrunde gehen zu lassen?
Show Summary Details
Restricted access

Oben – Topos Gipfel Zerbröckelnder Höhepunkt Natur unterwerfender Eroberung und Besetzung

← 78 | 79 → Oben

Extract

Topos Gipfel

Zerbröckelnder Höhepunkt Natur unterwerfender Eroberung und Besetzung

TirolÖtztaler AlpenGaislachkogelca. 3040 m über dem Meer

Eine neue Bergstation wölbt sich kuppelartig geformt über den Gipfel. Das Konstrukt aus Beton, Stahl und Kunststoffplanen vereinnahmt den Ort und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Es lässt die natürliche Erscheinung des Topos in den Hintergrund rücken. Jener Teil, der (noch) nicht verbaut wurde und als natürlicher Felsaufbau den oberen Bereich des Gipfels bildet, scheint ein Übriggebliebenes von Natur zu sein. Dem Anschein nach wird dieser Teil nur deswegen noch in seiner ursprünglichen Form geduldet, um als „Sockel“ für ein Gipfelkreuz zu fungieren – ein Fotomotiv knapp oberhalb einer Höhe von 3000 m, das den massenhaft303 herauf transportierten (Ski-)Tourist_innen aus aller Welt perfekt ins Urlaubsbild passen soll. Der größere Anteil des ehemaligen Gipfelaufbaus hingegen zeigt sich maschinentechnisch verändert, er wurde abgetragen, geebnet, betoniert sowie bebaut, und auch der übriggebliebene Rest an natürlichem Fels musste mit Netzen stabilisiert und betoniert werden, da er als Folge der Baumaßnahmen zu zerbrechen drohte. Diese Veränderungen führen dazu, dass der Gipfel – die wortwörtliche Felskuppe304 – nicht mehr als ← 79 | 80 → solche erkennbar ist.305 Die natürliche, lebendige Wölbung aus Fels, Schnee und Eis wurde durch eine kuppelartige, künstliche, inhaltslose306 und tote Form aus Beton, Stahl und Kunststofffolien ersetzt. Es handelt sich dabei zum Einen um eine maschinenlogische Formierung im übertragenen Sinne: Natur wird...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.