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BERGeLEBEN

Naturzerstörung – Der Alptraum der Alpen- Eine Kritik des Tourismus im Tiroler Ötztal

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Ursula Scheiber

Moderne Seilbahnstationen auf den höchsten Gipfeln, Kunstschneeherstellung auf den schwindenden Gletschern, Wellnessanlagen, gefüllt mit dem Wasser aus dem Berginneren, und Freizeitparks in den Talebenen: Die touristischen Projekte in den Alpentälern suggerieren Fortschritt und eine Neuschöpfung angeblich besserer Lebensbedingungen. Der analytische Blick durch die Brille der Kritischen Patriarchatstheorie lässt erkennen, dass dabei für einen historischen Moment und den Profit einiger weniger die Zukunft der Bergnatur und der Menschen brutal aufs Spiel gesetzt wird. Die konkreten Beispiele aus dem Tiroler Ötztal zeigen: Die gegenwärtige Zivilisation ist nicht nur weltweit, sondern auch vor unserer Haustür dabei, unseren Lebensraum zu vernichten. Was kann getan werden, um das Bergleben nicht irreversibel zugrunde gehen zu lassen?
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Innen – Topos Berginneres Die Extraktion der Rohstoffe aus dem Berginneren für die kapitalistische Verwertung

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Topos Berginneres

Die Extraktion der Rohstoffe aus dem Berginneren für die kapitalistische Verwertung

TirolÖtztalLängenfeldca. 1180 m über dem Meer

Schwefelwasser gelangt durch eine 1.865 Meter tiefe Bohrung aus dem Erdinneren an die Oberfläche. Durch moderne Maschinentechnik wird es aus dem Berginneren herausgepumpt und mit diesem Gewaltakt seiner natürlichen Umgebung entrissen. Dieser Vorgang ist menschengemacht, eine Verkehrung496 der ursprünglichen Naturvorgänge. Es handelt sich nicht um einen natürlichen Akt der Hervorbringung, wie es etwa die Geburt einer ist, sondern um eine maschinentechnisch erzwungene Trennung des Schwefelwassers aus dem Schoß des Berges. Der „In-Dienst-Nahme von strukturell in den Erscheinungsformen der Natura naturans eingebetteten Energieformen“497 geht die Zerstörung ihrer Einbettung voraus. Der Berg als natürliche Umgebung und gebende Natur birgt zwar immer noch das Heilwasser, er wird jedoch nicht mehr als mütterlich-schenkend wahrgenommen498 sondern als zur Verfügung stehendes Objekt, dem seine eingebetteten Ressourcen beliebig entrissen werden können, ja sollen. Anschließend wird das Schwefelwasser dem Dienst der Tourismusindustrie unterworfen, indem es in eine neue, maschinentechnisch hergestellte Form499 geleitet ← 115 | 116 → wird, um es dort profitabel zu verwerten. Die schöpferisch-gebende Natur wird ausgeraubt, die Beute privatisiert500 und kapitalisiert.

Die Form für das Schwefelwasser aus dem Berginneren ist neu, gigantisch in ihrem Ausmaß und utopisch: eine künstliche Wasserwelt auf 50.000 m², „Aqua Dome“ genannt, eine der modernsten Wellness-Thermen Europas. Eine kuppelartige Konstruktion spannt sich über die Wasserbecken, sie bildet das Hauptgeb...

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