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Tax Compliance im Kooperationsverhältnis zwischen Unternehmen und Finanzverwaltung

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Christian Schützler

Während das Phänomen Tax Compliance zumeist mit der natürlichen Interessendivergenz zwischen Steuerpflichtigen und Staat assoziiert wird, liegt der Untersuchung die Idee einer Kooperationskultur zwischen Unternehmen und Verwaltung zugrunde. Im Mittelpunkt steht die Frage nach rechtlichen Möglichkeiten der Verknüpfung unternehmensinterner und hoheitlicher Handlungsrationalitäten. So wird beleuchtet, ob Unternehmen, die über ein hohes Maß an Tax Compliance verfügen und sich damit womöglich als weniger kontrollbedürftig erweisen, im Gegenzug im Besteuerungsverfahren privilegiert werden können. Eine zentrale Bedeutung kann dabei der Implementierung eines funktionsfähigen Tax Compliance-Systems im Unternehmen zukommen.
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4. Kapitel: Schnittmengen der beiden Tax Compliance-Perspektiven (de lege lata)

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Nachdem Tax Compliance aus Perspektive sowohl der Unternehmen als auch des Steuerstaates bzw. -vollzuges beleuchtet wurde, stellt sich die grundlegende Frage, inwieweit Schnittmengen zwischen den beiden Perspektiven bestehen. Zentral ist dabei die Überlegung, Synergieeffekte beim Thema Tax Compliance zu nutzen und Vorteile für Unternehmen und Vollzug zu erzielen930. Ausgangspunkt ist das festgestellte hoheitliche Interesse an einem möglichst hohen Grad an eigenmotivierter Mitwirkung bzw. Mitwirkungspflichterfüllung der Steuerpflichtigen, um die angespannte Vollzugssituation zu verbessern; private Mitwirkungsbeiträge sollen maßgeblich die Ressourcen entlasten und dazu beitragen, die Effektivität und Effizienz des Steuervollzuges zu steigern. Aus hoheitlichem Blickwinkel bietet es sich insoweit an, den Bedeutungsanstieg von Tax Compliance auf Unternehmensseite und vor allem das entsprechende Eigeninteresse der Unternehmen an der Gewährleistung von Tax Compliance für den Vollzug nutzbar zu machen und unternehmensseitige Kontrollstrukturen zu integrieren931. Daran anknüpfend ist es Ziel eines modernen Steuervollzuges, strukturelle Motivationen und Anreizezur konsequenten steuerlichen Mitwirkung zu schaffen932. Dergestalt soll das ohnehin bestehende Eigeninteresse der Steuerpflichtigen an der – strategisch kontrollierten – Einhaltung der Steuergesetze weiter verstärkt werden. Gelingt es in diesem Sinne, durch die Gewährung von Anreizen das Eigeninteresse an der Einhaltung der steuerlichen Pflichten zu erhöhen, kann die finanzbehördliche Zielerreichung erheblich befördert werden933. Aus Unternehmenssicht „lohnte“ sich steuerlich ← 183 | 184 → korrektes Verhalten umso mehr934. Mithin könnten unternehmensseitige und hoheitliche Handlungsrationalitäten verknüpft und letztlich eine Win-win-Situation geschaffen werden.

Als mögliche Anreize müssen Vereinbarungen über Steueransprüche oder Reduktionen zu zahlender Steuerbetr...

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