Show Less
Restricted access

Krise der lokalen Kulturen und die philosophische Suche nach Identität

Edited By Heimo Hofmeister and Ivan Mikirtumov

Das Thema Krise der lokalen Kulturen und die philosophische Suche nach Identität fordert zu allererst eine Bestandsaufnahme politischer Kulturen hinsichtlich ihres Staatsverständnisses und deren Voraussetzungen zur Identifikation mit dem jeweiligen Staat. Die zweite Forderung richtet sich an die Philosophie und fragt nach konkreten Wegen für eine Gemeinsamkeit, deren Basis Freiheit ist, nicht trotz sondern um der Verschiedenheit des Herkommens und des Denkens willen. Erstaunlich ist, dass eine Tagung zu diesem Thema, weniger wegen der unterschiedlichen gesellschaftlichen und nationalen Erfahrungen der russischen und deutschen Wissenschaftler, sondern eher wegen der oft kontroversen Zugänge verschiedener Fachdisziplinen Fragen aufwirft.
Show Summary Details
Restricted access

Die Haltung der Versöhnung

Extract

Die Europäische Union hat den Nobelpreis bekommen. In der Begründung heißt es, die Union und ihre Vorläuferorganisationen habe über sechs Jahrzehnte zur Förderung von Frieden und Versöhnung, von Demokratie und Menschenrechten auf dem Kontinent beigetragen. Seit 1945 sei diese Versöhnung zur Realität geworden: „Since 1945, that reconciliation has become a reality.”1 Tatsächlich käme heute wohl niemand auf den Gedanken, dass etwa zwischen Deutschland und Frankreich ein Krieg ausbrechen könnte. Es gibt keine Grenzkontrollen mehr, wir haben die gleiche Währung und bewegen uns im jeweiligen Nachbarland in der Regel mit gleicher Selbstverständlichkeit wie daheim. Versöhnung ist in weiten Bereichen zur selbstverständlichen Alltagswirklichkeit geworden.

Selbstverständlichkeiten verführen freilich dazu, dass man sie leicht für allzu selbstverständlich nimmt. Was sich von selbst versteht, darüber brauchen wir nicht mehr nachzudenken, es entschwindet tendenziell unserem Bewusstsein. Darin liegt die Gefahr, dass wir dem Selbstverständlichen jene Wertschätzung versagen, die ihm eigentlich zukommen müsste. Auf diesem Hintergrund halte ich es für ein Verdienst des Nobelpreiskomitees, einmal ausdrücklich das gewürdigt zu haben, was so gelungen ist, dass wir es für selbstverständlich nehmen: die Versöhnung in Europa.

In der medialen Berichterstattung und im öffentlichen Bewusstsein steht nicht das Selbstverständliche im Vordergrund. Zum Thema wird vielmehr das, was uns aufstößt, weil es von unseren Erwartungen abweicht oder unseren Interessen zuwiderläuft. Beim Stichwort Europa f...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.