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Krise der lokalen Kulturen und die philosophische Suche nach Identität

Edited By Heimo Hofmeister and Ivan Mikirtumov

Das Thema Krise der lokalen Kulturen und die philosophische Suche nach Identität fordert zu allererst eine Bestandsaufnahme politischer Kulturen hinsichtlich ihres Staatsverständnisses und deren Voraussetzungen zur Identifikation mit dem jeweiligen Staat. Die zweite Forderung richtet sich an die Philosophie und fragt nach konkreten Wegen für eine Gemeinsamkeit, deren Basis Freiheit ist, nicht trotz sondern um der Verschiedenheit des Herkommens und des Denkens willen. Erstaunlich ist, dass eine Tagung zu diesem Thema, weniger wegen der unterschiedlichen gesellschaftlichen und nationalen Erfahrungen der russischen und deutschen Wissenschaftler, sondern eher wegen der oft kontroversen Zugänge verschiedener Fachdisziplinen Fragen aufwirft.
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Philosophisch-kulturelle Voraussetzungen des Dialogs zwischen Russland und Europa

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Die Beziehungen zwischen Russland und Europa gestalteten sich im Laufe der langen Geschichte unterschiedlich, ebenso unterschiedlich wurden sie interpretiert. Konservativ gesinnte Hüter der kulturellen Eigenständigkeit halten verschiedene Kulturen für inkommensurabel. Dagegen plädieren Liberale und Sozialisten für Projekte der Verschmelzung von Kulturen und Bildung einer neuen Einheit, die sie sich jedoch unterschiedlich vorstellen.

Quasiwissenschaftliche Kulturtheorien, die „naturwissenschaftliche Gesetze“ und kausale Wirkungszusammenhänge postulieren, beschreiben Geschichte als eine Reihenfolge von Ursachen und Wirkungen. In Geisteswissenschaften dagegen wurden quasiteleologische Modelle aufgebaut, die auf Motive und Ziele der menschlichen Handlungen verweisen, die keine Erklärung, sondern Verständnis erfordern. Das Verständnis charakterisiert aber Subjekte der Geschichte, in der bekanntlich das vorkommt, was niemand wollte. Objektivierende Geschichtsbeschreibungen sind nicht auszuschließen, Erklärung und Verständnis sollten einander ergänzen.

Im Rahmen der Wiener Kultur, in der sich Ideen des Ordoliberalismus entwickelten, bildete sich die Sprachphilosophie, laut der allerlei, darunter auch nationale, ethnokulturelle, religiös-metaphysische und sonstige Unterschiede durch die Bildung einer einheitlichen Wissenschaftssprache überwunden werden. Die Schöpfung einer solchen Sprache würde den Kommunikationsprozess nicht nur in den Wissenschaften erleichtern, wo Fachleute aufhörten, einander zu verstehen, sondern auch im Alltagsleben. Das Projekt einer universalen Sprache scheiterte aber ziemlich schnell. Die Hypothese der linguistischen Relativität siegte, die durch Theorien der „semantischen Gerüste“ und „Sprachspiele“ bekräftigt wurde. Kulturen und Sprachen begann man als in sich geschlossene Einheiten anzusehen. Dabei entspricht aber die These über die Inkommensurabilität und Unübersetzbarkeit der...

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