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Kanon und Literaturgeschichte

Facetten einer Diskussion

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Edited By Ina Karg and Barbara Jessen

Kanonbildung ist mit Literaturgeschichtsschreibung und der Auswahlproblematik eng verbunden. Stets muss über die Aufnahme oder den Verzicht auf Werke und Autoren eine Sinn- und Bedeutungszumessung im Kommunikationsfeld Literatur vorgenommen werden. Dieser Aufgabe stellte sich die Sektion 11 des Germanistentages 2013 in Kiel. Die hier versammelten Tagungsbeiträge lassen sich folgenden Themenfeldern zuordnen: Zunächst wird Grundsätzliches zur Kanontheorie und Kanonbildung besprochen. Anschließend finden Orte der Vermittlung Erwähnung: Dichterhäuser, Literaturmuseen, Universitäten, Schulen, Theater. Schließlich beschäftigen sich die Beiträge mit übersehenen Epochen und Literaturen: Kinder- und Jugendliteratur, Mittelhochdeutsche Literatur, Drittes Reich, DDR-Literaturgeschichte, Theaterlandschaft um 1800, Interkulturelle Literatur und vergessene Autor(inn)en.
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Die Öffnung des Kanons. Zur literaturdidaktischen Auswahlpraxis von Gegenwartsprosa und den Möglichkeiten ihrer Analyse

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← 144 | 145 →Julia Heuer

Die Frage nach der Integration von Gegenwartsliteratur in den Literaturunterricht beschäftigt seine Didaktik spätestens seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Seither hat sich diese in ihrer Rolle als Vermittlerin zwischen literarischer Produktion und Rezeption die Bekanntmachung von Schülerinnen und Schülern – sowie deren Lehrenden – mit dem literarischen Leben der Gegenwart zur Aufgabe gemacht. Besonders in den literaturdidaktischen Fachorganen findet ein reger Expertenaustausch über grundsätzliche Kriterien der schulischen Lektüreauswahl statt, vor deren Hintergrund konkrete zeitgenössische Schriftsteller/innen bzw. Werke für den Unterricht empfohlen werden. Hierbei lässt sich beobachten, dass die Wahl der Literaturdidaktiker/innen trotz der vielbeschworenen ‚Flut an Neuerscheinungen‘ nicht selten immer wieder auf ein und dasselbe Werk fällt, hier also Häufungen auftreten. Dieser Umstand macht die Untersuchung solcher Empfehlungsdiskurse für die literarische Kanonforschung interessant, da sie als Hinweis auf die Dynamik schulischer Lektürekanones gewertet werden können. Dass es sich bei literarischen Kanones keineswegs um statische Phänomene, sondern um unabgeschlossene, flexible Gebilde1 handelt, die sich je nach „Kanontektonik“2 in unterschiedlichem Tempo und Ausmaß verändern ← 145 | 146 →können, indem neue Autor/innen oder Texte kanonisiert, alte dekanonisiert und einstmals dekanonisierte erneut rekanonisiert werden, ist Konsens in der literarischen Kanonforschung und einer ihrer wichtigsten Ausgangspunkte. Wenn ein Literaturkanon unmittelbar an die Werte und Interessen der gesellschaftlichen Gruppe geknüpft ist, welche ihn, ob bewusst oder unbewusst, konstituiert und tradiert, dann erscheint es nur folgerichtig, dass er sich „in eben dem Maße [wandelt...

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