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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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VIII. Der Orden als soziologische Gruppe

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Das unbedingte „Ernstmachen“ mit den Forderungen einer christlichen Lebensfüh-rung in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter verleitete mit einer gewissen Gesetzmäßigkeit dazu, zu den „Vielen“ in der Großkirche auf Distanz zu gehen und die eigene Gemeinschaft als die eigentliche, von Christus und den Aposteln gemeinte ← 108 | 109 → Kirche zu betrachten. Bereits die aus der monastischen Reformbewegung des 11. Jahrhunderts hervorgegangenen Cluniazenser „beanspruchten selbst Kirche, mönchische Kirche zu sein“ (nach J. Wollasch438) Mit zunehmender Ausdifferenzierung der mittelalterlichen Gesellschaft – das Dreierschema439 der bellatores, oratores und laboratores erfasste die bestehenden Verhältnisse nicht länger – treten Gruppen ins Blickfeld, die sich nicht so sehr durch eine strengere Lebensführung von der Gesamtgesellschaft wie von ihrer gesellschaftlichen Schicht abhoben, sondern weil sie eigene Interessen und Ziele voransetzten. Otto Gerhard Oexle bezieht in seine Analyse der Struktur mittelalterlicher Gesellschaften auch die Form der „Gruppen-Gesellschaft“ ein: „als eine Gesellschaft, die durch das Zusammenspiel vieler Gruppen von sehr verschiedener Form in zum Teil spannungsreichen Verhältnissen ihre Prägung bekommt“.440 Die Gruppenbildung finde statt „um im sozialen Feld gemeinsame Ziele zu verwirklichen – zum Beispiel in der Gilde, in der Kommune, in monastischen Kommunitäten“. Der Hang zum Zusammenschluss verstärkt sich in einem fremden Land und erst recht in abweisender Umgebung. Oft scharen sich die auf sich Gestellten um ein gemeinsames Symbol. In diesem Sinne wurde das Heilige Grab441 in Jerusalem zum Kristallisationspunkt.442 Der Wunsch am Heiligen Grab zu beten war das Motiv der Sehnsucht der Morgenlandpilger,443 der Aufruf zur Befreiung des Heiligen Grabes...

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