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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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XXXVII. Perspektivwechsel?

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An der Figur des Ludwig von Liebenzell und am Kampf mit den aufständischen Sudauern lässt sich ein eigenartiger Perspektivwechsel in Dusburgs Chronik erkennen: Es ist nicht mehr dasselbe wahllose Töten und Vernichten wie in den vorausgegangenen Kapiteln. Ganz unvermittelt kommt ein ritterlicher Zug in die Erzählung: Dieser Bruder Ludwig wurde bei seiner zweiten Gefangenschaft einem Adeligen namens Cantegerda übergeben und dessen Gewahrsam anvertraut (eius custodie deputatus) (Chronik III, 212) Ludwig von Liebenzell muss der Chronik zufolge eine ungewöhnlich starke Ausstrahlung besessen haben, wie umgekehrt die Sudauer vom Zweifel an ihrer Sache angekränkelt gewesen sein müssen. Anders ist nicht zu erklären, dass dem vorrückenden Ordensheer Bruder Ludwig entgegenkam mit seinem Bewacher Cantegerda und 1600 Sudauern beiderlei Geschlechts im Gefolge, die er während seiner Gefangenschaft zum Christentum bekehrt hatte (Chronik III, 217, S. 332/333). Hier schimmert freilich der Topos vom christlichen Gefangenen als dem wahren Befreier („Paulus und der Kerkermeister von Philippi“: Act. 16,25f) durch. Gleichsam zum Kontrast wird im gleichen Kapitel erzählt, die Besatzung der Sudauer-Burg Kymenovia, der man gegen das Versprechen, den christlichen Glauben anzunehmen, freies Geleit unter Mitnahme ihres Eigentums gewährt habe, hätte nach Abzug des Ordensheeres ihren Führer ermordet und den Weg nach Litauen angetreten. Auch wenn sie gebrochen wurde, deutet bereits die Vereinbarung des freien Abzugs2492 unter Garantie der Unversehrtheit darauf hin, dass die einzige Regel, die des bedingungslosen Tötens (á la „der beste Preuße ist ein toter Preuße“) so...

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