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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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XLII. Der Friede zerbricht, der Krieg kann weitergehen

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In Dusburgs Narrativ kommt Erzbischof Friedrich vom Orden der Minoriten ein einziges Mal vor (Chronik III, 356). Vordergründig ist hier am Verhalten des Erzbischofs nichts auszusetzen. Pernstein habe sich gemeinsam mit den Rigaer Bürgern bei Papst Johannes XXII. für die Entsendung von Legaten verwendet, die Frieden mit den Litauern stiften und den Fürsten der Litauer und Russen (Fürst Gedimin von Litauen, 1316–41) taufen sollten. Natürlich stand für den Orden nichts Geringeres auf dem Spiel als seine Legitimation als Landesherr, und das hatte der Chronist sehr wohl verstanden. Nahmen die Litauer mit ihrem Fürsten an der Spitze endgültig das Christentum an, dann würde es keine Verteidigung des Glaubens im Nordosten, keine Heidenkämpfe mehr geben, und der Orden hätte aufgelöst, oder in den Mittelmeerraum oder an die ungarische Grenze verlegt werden können, wo seit 1314 Kreuzzüge im Gange waren.2585 Ein formaler Friedensschluss mit dem Fürsten und seinen Leuten und den Christen (den livländischen Bischöfen, dem Orden und dem dänischen König, dem Herrn über Estland) kam in Riga zustande (am 2. Okt. 1322, in Wirklichkeit noch vor dem Eintreffen der päpstlichen Legaten),2586 und der Chronist beschreibt ausführlich die Sanktionen, mit denen ein Vertragsbruch beschwert sein sollte (Chronik III, 356). Der Friede wurde prompt gebrochen, und die Konversion der Litauer zerschlug sich, so berichtet jedenfalls die Chronik (Chronik III, 357–359). Man wird dem Chronisten den Vorwurf der Scheinheiligkeit nicht...

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