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Die Konstitution des Subjekts in den Romanen von Rachel de Queiroz

Eine diskursanalytische Untersuchung

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Marita Rainsborough

Rachel de Queiroz (1910-2003) gilt als eine der bedeutendsten AutorInnen Brasiliens im 20. Jahrhundert. Die Frage nach der Konstitution des Subjekts ist Ausgangspunkt für die Untersuchung ihrer sieben Romane. Sie ermöglicht gleichzeitig einen Blick auf das brasilianische Subjekt und auf Brasilien mit seiner Geschichte und Kultur, ausgehend von den involvierten Diskursen wie Ökonomie, Recht, Politik, Gender, Theater, Film und brasilidade. Im Gegensatz zu den bekannten diskursanalytischen Verfahren ist die subjektorientierte Diskursanalyse auf der Basis von Foucault und Butler zugleich kontextbezogen und nah am literarischen Text in seiner ästhetischen Verfasstheit. Foucaults Theorem von Literatur als Spiel der Quasi-Diskurse, das seine Literaturtheorie in einem neuen Licht erscheinen lässt, wird dieser Analyse zugrunde gelegt.
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1. Einleitung

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1.1 Rachel de Queiroz und die Forschungslage

Die Frage nach dem Subjekt in den Romanen von Rachel de Queiroz bildet den Schwerpunkt des Interesses dieser Analyse. Dabei geht es sowohl um den Prozess der Subjektkonstituierung und die dargestellten Subjektweisen als auch um die zugrundeliegende Subjektkonzeption. Die Methode der Diskursanalyse richtet das Augenmerk dabei auf erzählerisch involvierte Diskurse, wodurch im Verfahren gesellschaftlich-kulturelle, historische und politische Momente integriert sind und der textimmanente Rahmen der Romane gesprengt wird. In den einzelnen Romanen werden jeweils unterschiedliche Diskurse fokussiert, die zentrale Lebensbereiche wie z. B. Recht, Ökonomie, Politik und Gender im Brasilien des 20. Jahrhunderts − und zeitweise davor − berühren und damit in indirekter Weise auch ein Licht auf das brasilianische Subjekt der Zeit werfen.

Die sieben Romane von Rachel de Queiroz (1910–2003) sind bislang noch nicht zusammenhängend untersucht worden. Schon 1930 wurde die Autorin mit ihrem Erstlingswerk O quinze, in dem sie das Phänomen der Dürrekatastrophen im Nordosten Brasiliens, insbesondere die seca des Jahres 1915 literarisch verarbeitet, als zwanzigjährige junge Frau schlagartig berühmt. Dass sie als erste Frau im Jahre 1977 Mitglied in der Academia Brasileira de Letras wurde, zeigt ihre herausragende Bedeutung im Kontext des literarischen Feldes in Brasilien. Rachel de Queiroz ist über 60 Jahre lang als Romanschriftstellerin1 literarisch aktiv gewesen. In ihrem zweiten Roman João Miguel (1932) bearbeitet sie das Thema Delinquenz insbesondere am Beispiel des Protagonisten João Miguel, im Roman Caminho de pedras (1937) besch...

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