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Blattdolmetschen in paradigmatischer Perspektive der anthropozentrischen Translatorik

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Jerzy Zmudzki

Der Autor identifiziert das Blattdolmetschen als eine autonome Translationsart, die er typologisch zuordnet. Seine Untersuchungen vollziehen sich im Paradigma der anthropozentrischen Translatorik von F. Grucza und S. Grucza. Sie stützen sich auf originelles Textmaterial, also auf Aufzeichnungen von authentischen Verdolmetschungen. Hierbei wird die Methode der Autodeskription von mentalen Prozessen während des Blattdolmetschens und der Sprechsynthesizer angewandt. Jerzy Żmudzki kommt zu einer konträren Differenzierung des Blattdolmetschens gegenüber den bisherigen Zuordnungen und Definitionen u. a. als (Stegreif-)Übersetzen. Einer wesenhaften Kennzeichnung werden im Buch auch das Controllingsystem und seine Funktionsweise im Blattdolmetschprozess unterzogen.
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5. Einige theoretische Überlegungen zu dem klassischen Dilemma Treue vs. Freiheit in der Translation

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Die obige Kapitelüberschrift thematisiert eine fundamentale Problemstellung, die im Falle einer jeden Translationsart sowie eines jeden konkreten Translationsprozesses ihre besondere Aktualität besitzt. Das Gleiche gilt ohne Ausnahme auch für die Interpretation und Modellierung des Blattdolmetschens bzw. des Stegreifübersetzens (in der dominierenden Terminologie der deutschen Translationswissenschaftler), obwohl keine direkten Bezüge auf diese Sondersorte der Translation vorgenommen werden. Somit versteht sich die nachfolgende Diskussion eher als ein theoretischer Exkurs und ein allgemeiner Beitrag zu der grundsätzlichen translatorischen Problematik. Die nachfolgenden theoretischen Überlegungen beziehen sich ebenfalls auf die fundamentale Relation zwischen dem AS- und ZS-Text, die in den Kategorien der Treue und Freiheit einer weiteren vertieften Reflexion und infolgedessen einer detaillierten Spezifizierung sowie einer charakteristischen Attribuierung unterzogen wird.

Die Diskussion über die fundamentale Frage, die sowohl in der Praxis als auch in der translationswissenschaftlichen Theoriebildung gestellt wurde und wird, betrifft das zentrale Problem, und zwar wie übersetzt werden soll, und wurde jahrhundertelang geführt. Sie hat eine ganze Reihe von verschiedenen Antworten erbracht, die nicht zufriedenstellend und falsifizierbar waren, und sich sehr oft aus den wechselhaften linguistischen Paradigmen ergaben. Dieser ungelöste Zustand der so problembezogen profilierten Diskussion verleitete manche Forscher zu der Auffassung, dass dieser Relation Treue vs. Freiheit in der Translation der Status eines Aporems zukommt, weil diese bipolare Alternative als ein undankbares Entweder-Oder unlösbar sei und aus dieser Sackgasse nicht unproblematisch befreit werden kann. Eine solche Meinung vertritt R. Stolze (2003: 17, 145) und behauptet: „Nicht gelöst ist...

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