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Psychotraumatherapeutische Behandlung von Patienten nach Akutem Herzinfarkt

Eine Psychotherapievergleichsstudie in der stationären Rehabilitation

Klaus Thomsen

Der Akute Herzinfarkt ist für die betroffene Person ein beängstigendes Erlebnis. Oft tritt er ohne Vorwarnung ein. Jeder siebente Patient entwickelt danach eine Posttraumatische Belastungsstörung mit psychischen Symptomen wie Ängstlichkeit, Depressionen, Reizbarkeit und Flashbacks. Dies ist ein weiteres Risiko für einen erneuten Infarkt und beeinträchtigt den Heilungsverlauf. Kann Psychotraumatherapie mit Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) diesen Patienten helfen, sich schneller und nachhaltiger emotional zu stabilisieren?
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4. Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)

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Der EMDR-Methode von Francine Shapiro wird hier besonderer Raum gewidmet, um deutlich zu machen, warum sie für diese Studie ausgewählt wurde.

EMDR war zunächst die Entwicklung von therapeutischen Praktikern, die jedoch früh auf wissenschaftlich fundierte Wirkungsforschung setzten. Diesem Umstand ist es sicherlich zu verdanken, dass aus dem Verfahren keine Nischentherapie von Esoterikern wurde, sondern heute die weltweit am häufigsten verwendete Methode bei der Behandlung von Traumafolgestörungen.

Shapiro entdeckte die stimmungsstabilisierende Wirkung horizontaler Augenbewegungen während ihrer Krebserkrankung im Jahr 1987 (Shapiro 1998). Sie übernahm diese Erfahrung sofort in ihre Beratungspraxis, indem sie ihre Patienten dazu anhielt, während der Schilderung belastender Erlebnisse, schnelle horizontale Augenbewegungen zu machen. Als Hilfsmittel nutzte Shapiro bald die noch heute für das EMDR so charakteristischen „Winkbewegungen“ mit ihrer Hand im Blickfeld der Patienten. Sie wagte sich bald an die Therapie mit traumatisierten Kriegsveteranen und Missbrauchsopfern mit spektakulären Erfolgen, da es sich um Betroffene handelte, die schon viele Jahre unter den Folgen schwerer Traumata litten und die als schwer behandelbar galten. Als verhaltenstherapeutisch beeinflusste Beraterin vermutete sie hinter den Erfolgen einen Mechanismus der reziproken Hemmung wie er von Joseph Wolpe (1958) beschrieben wurde. Sie übernahm von ihm die SUD, die „Subjective Units of Disturbance“, das klassische 0- bis -10-Rating, welches der Patientenrückmeldung in der Verhaltenstherapie dient. Wolpe teilte diese Einschätzung, wie er 1994 betonte3. Er sah in der Methode eine innovative Weiterentwicklung seiner Systematischen Desensibilisierung. Shapiro nannte die von ihr...

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