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Gesammelte Werke

Schriften zur philosophischen Pädagogik Teil 1- Bildung – Begeisterung – Freiheit

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Tomasz Stepien

Im Gesamtwerk von Anton Hilckman nimmt die Konzeption der Sinnphilosophie mit der Frage nach dem Sinn von Freiheit, Bildung, Politik, Technik und Geschichte eine besondere Stelle ein. Im Mittelpunkt steht die Konzeption des Menschen als eines für die Freiheit begeisterten Wesens. Freiheit bedeutet aber auch moralische Verpflichtung, womit Hilckman auf die Bedeutung von Bildung bei der Verwirklichung des menschlichen Wesens – der Humanitas – verweist. Seine Sinnphilosophie erscheint als ein Manifest für Freiheit und Würde des Menschen. Zum Teil als Erstveröffentlichungen schließen die in diesem Band erstmalig zusammengestellten sinnphilosophischen Arbeiten Anton Hilckmans eine Forschungslücke in der Philosophie und den Geisteswissenschaften des 20. Jahrhunderts.
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Vom Feiern

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25

Wir kennen die alte Mär vom goldenen Zeitalter, wo das ganze Leben, das ganze Dasein noch etwas wie eine Feier war. In alten Zeiten, aus denen noch verlorene Kunde herüberklingt, in jenen Zeiten, da die Völker noch jung waren und die großen, ewig jungen Dichtungen der Vorzeit entstanden, war noch etwas von diesem Feiercharakter des Lebens lebendig geblieben. In der harten, rauhen Wirklichkeit, in die wir Menschen des Heute hereingestellt sind, kann das nicht mehr so sein. Aber wir können doch nicht immer hasten und uns mühen und plagen; je mehr wir an Sorge, an Last und Arbeit zu tragen haben, umso größer, umso dringender das Bedürfnis nach Stunden und Tagen der Stille, der Rast, der Einkehr, der Feier. Das ist der ewige Sinn der Sonntage, der gerade in unserer Gegenwart, wo man keine Stille und Sammlung, sondern nur noch Zerstreuung kennt, besonders deutlich wird: Tage der Feier wollen es sein; der heutige Mensch ist unfähig zur Feier.

Vor zwei, drei Menschenalter wusste man noch darum, lebte man’s noch, am Sonntagsvormittag gingen die Menschen der Großväterzeit in die Kirche, am Nachmittag wandelten sie gemächlich durch die Felder. Kino, Fußballwettspiele, Boxkämpfe, Autorennen kannte man nicht und brauchte man auch nicht. Man wusste noch, sich im traulichen Familienkreis zusammenzufinden zu heimeligem Geplauder. Der moderne Mensch kann und mag das auch nicht mehr; in alle Richtungen stiebt die moderne Familie, wenn man sie überhaupt...

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