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Sprechwissenschaft: Bestand, Prognose, Perspektive

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Edited By Ines Bose and Baldur Neuber

Im Zeitraum von November 2012 bis Dezember 2013 feierten fünf prominente Professorinnen und Professoren der Sprechwissenschaft ihre Jubiläumsgeburtstage. Eva-Maria Krech, Jutta Suttner und Eberhard Stock jeweils den 80sten und Ursula Hirschfeld sowie Lutz Christian Anders jeweils den 60sten. Aus diesem Anlass fand ein Jubiläumskongress von höchstem inhaltlichem Anspruch statt, aus dessen Beiträgen dieser Band hervorgegangen ist. Ausgewählte, fachlich hochkarätige Autorinnen und Autoren präsentieren aktuelle Forschungsergebnisse in Sprache und Sprechen, zu Fragen der Rhetorik, Phonetik, Phonologie, Sprecherziehung und Sprechkunst, und dies sowohl in der interpersonellen Kommunikation als auch in Musik und Film. Vom Ethikmanagement im Bankgewerbe über Kommunikationsberatung bis hin zum theatralen Prozess werden vielfältigste Bereiche des gesellschaftlichen Lebens fokussiert.
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„Und wozu der ganze Aufwand? Ich sehe doch schon beim Reinkommen, was der Patient hat.” – Stimmdiagnostik im Wandel: Susanne Voigt-Zimmermann, Magdeburg

1Ist eine spontane Blickdiagnostik möglich?

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„Und wozu der ganze Aufwand? Ich sehe doch schon beim Reinkommen, was der Patient hat.“ – Stimmdiagnostik im Wandel

Susanne Voigt-Zimmermann, Magdeburg

Kein Stimmtherapeut ist davor gefeit, bereits beim ersten Blick auf einen potentiellen Patienten eine erste „Arbeitsdiagnose“ aufzustellen. Da sich Menschen bekanntermaßen generell innerhalb weniger Sekunden eine Meinung zu einem neuen Gesprächspartner bilden, ist das also quasi normal. Warum also nicht einen hypothetischen diagnostischen Schuss ins Blaue wagen, obwohl der – immerhin erst einmal „vermeintliche“ – Patient noch kein Wort gesprochen hat?!

Doch die Sache ist mittlerweile wichtiger als es anmutet, denn so ein Blickbefund kann tatsächlich zu einer hypothesengeleiteten Diagnosefindung beitragen und zwar zu den sogenannten zervikogenen Dysphonien. Gleichwohl stellt angesichts der ganzkörperlichen Auslösungspunkte das Wort zervikogen auch nur einen Behelfsbegriff dar. So ein diagnostischer Blick muss dementsprechend geschult sein. Ein Beispiel dafür ist die blickdiagnostische Arbeit, wie sie etwa Gabi Münch in ihren Fortbildungsveranstaltungen zur „Manuellen Stimmtherapie“ (MST) als einen Baustein der Stimmdiagnostik vermittelt. Dabei wird der Blick gezielt auf die Patienten im Liegen, Stehen und Sitzen von ventral, dorsal und lateral gelenkt, um vertikale und / oder horizontale Achsabweichungen, prominente Körperabschnitte, mögliche Rotation / Flexion / Extension / Lateralflexion des Kopfes, Shifts als Bewegungs- bzw. Mobilisationseinschränkungen etwa des Zungenbeines, Verkürzungen von Muskel- oder Sehnengruppen, Schwellungen oder Narben zu registrieren. Deshalb ist dieser, zugegebenermaßen für Berufsfremde erstaunlich schnelle, diagnostische Blick sehr wichtig. ← 119 | 120 →

Wichtiger als vor einigen Jahrzehnten...

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