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Kultureller Nationalismus und Religion

Nationsbildung am Fallbeispiel Irland mit Vergleichen zu Preussisch-Polen

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Annina Cavelti Kee

Lange Zeit fristete der kulturelle Nationalismus ein Schattendasein in der Forschung. Zu Unrecht, denn der kulturelle Nationalismus spielt eine entscheidende Rolle in der Ausbildung einer nationalen Identität. Indem er die Menschen mit ihrer eigenen Vergangenheit und Kultur konfrontiert, gelingt es den kulturellen Nationalisten, die Nationalität zu etwas Greifbarem zu machen. Dass der Religion in einem solchen Prozess ebenfalls eine entscheidende Bedeutung zukommen konnte, wird anhand Irlands und mit Vergleichen zu Preussisch-Polen deutlich. Dank der Histoire croisée kann dargelegt werden, wie eng das Wirken der kulturellen Nationalisten und der katholischen Geistlichen miteinander verknüpft war und wie stark diese beiden Akteure die nationalen Identitäten Irlands und Polens prägten.
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Kapitel 5. Die Bedeutung des kulturellen Nationalismus

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Kapitel 5  Die Bedeutung des kulturellen Nationalismus

In diesem Kapitel wird das Augenmerk auf die Bedeutung des kulturellen Nationalismus im Prozess der Identitätssuche und der Identitätsbildung gerichtet. Sowohl in Irland als auch in Preussisch-Polen vermochten die kulturellen Nationalisten aufgrund ihrer Überzeugungen und Ideen nicht nur die nationale Identität entscheidend zu beeinflussen, sondern spielten letztlich auch bei der Nationsbildung eine grosse Rolle.710 Es wird ausserdem dargelegt werden, welchen Einfluss der katholische Klerus innerhalb der kulturellen Nationalismusbewegungen hatte. Zudem wird die Beziehung zwischen dem kulturellen und dem politischen Nationalismus erläutert. Hierzu wird auf die Erkenntnisse aus den vorangegangenen Kapiteln zurückgegriffen. Abschliessend soll auf der Grundlage der in dieser Arbeit gewonnenen Einsichten eine überarbeitete Theorie des kulturellen Nationalismus formuliert werden.

In Irland und in Preussisch-Polen fanden Menschen mit den unterschiedlichsten wirtschaftlichen und sozialen Hintergründen innerhalb der kulturellen Nationalismusbewegung eine Heimat. Das war auch eines der Ziele von ← 227 | 228 → Cusack und Davin: bei der GAA sollte es sich um eine Organisation handeln, welche alle Bevölkerungsschichten ansprach.711 Möglich war dieser einfache Zugang deshalb, weil sich die GAA mit ihrem Programm in erster Linie der Organisation von Sportveranstaltungen verschrieben hatte. Dadurch vermochte sie grundsätzlich Menschen von unterschiedlichster sozialer und wirtschaftlicher Herkunft anzusprechen. Allerdings müssen gewisse Einschränkungen gemacht werden. Personen mit einem anderen nationalen Hintergrund wurden zwar nicht ausgeschlossen, ebenso wenig Menschen, die nicht der katholischen Konfession angehörten. Aber die Theorie und die Praxis unterscheiden sich doch sehr und je...

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