Show Less
Restricted access

Wenn Hände eine neue Sprache lernen

Gestikerwerb bei französisch-, spanisch- und russischsprachigen Deutsch-L2-Lernern

Galina Putjata

Gefühle. Gedanken. Emotionen. Dem, was die Sprache zu beschreiben vermag, wird oft erst durch eine Bewegung der Hand Nachdruck verliehen. Dabei unterliegt auch die Gestik sprachlicher und kultureller Variation. Was geschieht, wenn wir den sprachlichen Code wechseln? Verbleibt uns die Gestik als identitäres Merkmal oder passen sich auch unsere Hände der neuen Sprache an? Ausgehend von authentischen Interviews mit spanisch-, französisch- und russischsprachigen Deutschlernern wird empirisch die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen des Gestikerwerbs beantwortet. An der Schnittstelle zwischen Gestikforschung und Zweitspracherwerb angesiedelt, bietet das Buch eine Annäherung an die Prozesse der Gestikherausbildung.
Show Summary Details
Restricted access

Teil III Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Alter als Faktor im Zweitspracherwerb

Extract

Zahlreiche Forscher haben linguistische, psychologische und soziologische Prozesse untersucht, um den Erwerb einer Sprache umfassend erklären zu können. Der vorangehende Arbeitsteil erfasste die grundlegenden Theorien, die einen Spracherwerb als passive Verhaltensänderung, als angeborene Disposition, als aktive kognitive Leistung und als Folge sozialer Interaktionen erklären.

Den Schwerpunkt der Zweitsprachenforschung bildete hierbei der Vergleich dieser Prozesse in der Erst- und Zweitsprache eines Individuums. Denn empirische Studien belegen, dass ausschließlich alle gesunden Individuen relativ mühelos jede natürliche Erstsprache erwerben können, das Erlernen einer neuen Sprache hingegen größeren Zeit- und Leistungsaufwand voraussetzt. Auch in ihrem Endergebnis weisen Erst- und Zweitspracherwerb deutliche Unterschiede auf: Während gesunde Kinder in ihrer Muttersprache stets die höchste Kompetenz erlangen, bildet bei L2-Lernern eine eingeschränkte Sprachbeherrschung eher die Regel. Diese auf Beobachtung fundierten Argumente lassen annehmen, dass neue Sprachen anscheinend nicht auf die gleiche Art und Weise erlernt werden wie die Erstsprache. Eine der argumentativ stichhaltigsten Begründungen liefert hierbei das unterschiedliche Alter der Lernenden zum Zeitpunkt des Erst- und Zweitspracherwerbs.

Das biologische Alter eines Lerners wurde bereits früh als eine Variable erkannt, die mit dem Erfolg des Spracherwerbs korreliert: In zahlreichen Studien, die in diesem Teil III präsentiert werden, stellten die Forscher einen direkten Zusammenhang zwischen dem Alter des Individuums und seiner schließlich erlangten Sprachkompetenz fest: ein Phänomen, das in der Forschung als critical period bezeichnet wird. Beginnt ein Individuum nicht vor einem bestimmten Alter, eine Zweitsprache zu erwerben,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.