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Kinder- und Jugendliteratur der Romania

Impulse für ein neues romanistisches Forschungsfeld

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Ludger Scherer and Roland Ißler

Die Kinder- und Jugendliteratur der romanischen Länder ist, obwohl seit langem international erfolgreich, in der deutschsprachigen Romanistik bislang noch nicht als systematisches Forschungsfeld etabliert. Dieser Band, der auf eine Sektion des Romanistentags 2013 zurückgeht, gibt nun Impulse für eine romanistische Kinder- und Jugendliteraturforschung. 20 Beiträge behandeln exemplarisch französische und frankophone, italienische, spanische und lateinamerikanische (auch brasilianische) Werke. Die hier angesprochenen fundamentalen literarhistorischen und theoretischen Fragestellungen der Kinder- und Jugendliteraturforschung sind zudem interdisziplinär für praxisnahe universitäre und schulische Bildung und Lehre relevant.
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Märchen stellen eine kinderliterarische Gattung par excellence dar, deren universale Bekanntheit bis heute unvermindert zum Wieder- und Nacherzählen, Modernisieren, Parodieren und Transformieren einlädt. Nicht zuletzt die Filmindustrie macht sich den Wiedererkennungswert der Texte beim Spiel mit Märchenstoffen häufig zunutze.1 Grundlage moderner Bearbeitungen sind in der Regel die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, deren normierende Redaktion im Geist des 19. Jahrhunderts die Gattung nachhaltig geprägt hat. Zahlreiche der heute überwiegend in der Grimmschen Version weltweit verbreiteten Märchen gehen jedoch auf zuerst in der Romania verschriftlichte Texte zurück, die vor allem aus Giovan Francesco Straparolas Novellensammlung Le piacevoli notti (1550/1553), Giambattista Basiles Pentamerone (1634-36) und Charles Perraults Histoires ou contes du temps passé (1697) stammen. In den romanischen Sammlungen erstmals literarisierte Texte bilden beispielsweise die Grundlage für Märchen wie Dornröschen, Aschenputtel und Der gestiefelte Kater.2 Damit soll die orale Traditionslinie der Märchenüberlieferung nicht in Abrede gestellt, jedoch eine literarische Filiation in den Fokus gerückt werden, die gerade auch die Brüder Grimm stärker genutzt haben, als sie es dann in romantisch-volkstümlicher Manier zugeben wollten.

Den inhaltlichen und formalen Transformationen ausgewählter romanischer Märchenerzählungen soll nun in diesem Beitrag nachgegangen werden, wobei ← 137 | 138 → der Schwerpunkt auf einer Neubearbeitung im 18. Jahrhundert, den Märchendramen Carlo Gozzis liegen wird, der die italienische und europäische Märchentradition zu einem Schwellenzeitpunkt zwischen Früher Neuzeit und Moderne...

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